Eine grosse Autonation war das russische Reich noch nie und wird es vermutlich auch so schnell nicht werden. Doch neben veralteten Lizenzbauten, wie dem altehrwürdigen Lada, zaubern die Russen immer wieder faszinierende, vierrädrige Einzelstücke hervor. Der jüngste und einer der auffälligsten ist der Bilenkin Vintage. Das Edel-Coupé verbirgt unter seinem Retro-Kleid modernste Technik.

SIXTIES DESIGN ODER NICHT SEIN?

Leicht irritiert findet der Betrachter immer wieder neue Details an der zweifarbigen Karosse und fragt sich: An was erinnert mich das Design? Sind es die 60er-Jahre-Entwürfe von Vignale, oder doch das Simon-Templar-Sport-Coupé Volvo P 1800, entworfen von Pelle Petterson? Ah, richtig, etwas von Pietro Frua, dem umtriebigen Designer aus Turin, der von 1950 bis in die achtziger Jahre zahlreiche Karosserie-Entwürfe lieferte, steckt auch im Bilenkin. Kiril Bilenkin, Chef der Moskauer Auto-Schmiede Bilenkin Classic Cars, zeichnet für den Luxus-Sowjet verantwortlich. Er mag alte Autos, deren Design, Stil und Ausstrahlung. Aber er mag keine alte und oft gebrechliche Technik. So kombiniert er von Zeit zu Zeit aktuelles Sportwagen-Engineering mit klassischer Optik. So hat er vor Jahren mit einem Wolga-Coupé, unter dem die Technik des BMW-8er-Coupé steckt, für Aufregung gesorgt. Sein jüngstes Kind, den Bilenkin Vintage, möchte er in einer Kleinserie bauen. Optisch zitiert der glamouröse Russe ganz offensichtlich die italienische Formensprache der 60er-Jahre. Ob stilsicher, muss jeder für sich entscheiden. Und darüber, ob der Entwurf die hinteren Heckflossenansätze wirklich nötig hat, kann man auch diskutieren. Und die bogenförmig geschwungene Dachkontur mit ihren dicken Holmen mag nicht so recht mit dem Rest harmonieren. An der Form der Dachlinie erkennen die Auto-Spezialisten auch, auf welcher Basis der Bilenkin aufbaut.

Bilenkin Vintage Design

ERHABENE TECHNIK!

Denn die Technik, die im Bilenkin steckt, ist über jeden Zweifel erhaben. Als Spender für Bodengruppe, Achsen, Motor, Getriebe und Karosserie-Struktur haben die russischen Auto-Visionäre den BMW M3 der Baureihe E92 auserkoren. Den 4 Liter grossen V8 mit 420 PS lässt die Ost-Manufaktur unangetastet, wie den Rest der Technik. So kann der Vintage in jeder beliebigen BMW-Werkstatt repariert und gewartet werden. Kein unerheblicher Vorteil, sollte man von der Rückreise der entlegenen Wochenend-Datscha eine Panne haben. Ansonsten erkennt man kaum den als Russen verkleideten Bajuwaren. Das Interieur wurde dem, sagen wir russischen Zeitgeschmack, angepasst. Auffälliges Brokat, edle Ornamente an goldenen Faden schmücken die Sitzanlage, und im ganzen Inneren funkelt und strahlt es, als hätte man einem bunten Pillen nicht abgeneigten Swarowski-Designer freie Hand gelassen. Liberace hätte seine helle Freude am Bilenkin – und würde er noch leben, hätte er sich vermutlich sofort drei Exemplare für sich und seine guten Freunde gesichert.

ES GEHT AUCH DEZENTER!

Trifft die auffällige Zweifarben-Lackierung und das Bling-Bling-Interieur den Geschmack der Klientel aus Moskau, Dubai und vielleicht einem vereinzelten US-Hip-Hop-Star, so geht es für die europäische Kundschaft gerne dezenter, wie das schwarze Exemplar mit der rehbraunen Lederausstattung beweist. Jeder der maximal 10 Stück pro Jahr gefertigten Bilenkin Vintage ist ein nach den Wünschen des Auftraggebers gefertigtes Einzelstück. Der Einstandspreis beträgt etwa 150 000 Franken.

 

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