Vor dreissig Jahren waren kostspielige Winterreifen für den damals 18-jährigen Autor dieser Zeilen noch unbezahlbarer Luxus. Er schnallte im Winter am Samstagmorgen die Skier auf seinen sommerbereiften Käfer und schlitterte frohgemut Richtung Hausberg. Was waren das noch für unbekümmerte Zeiten? Wichtig war nur, dass der Inhalt der Geldbörse für Sprit und eine Tageskarte reichte. Was das mit der folgenden Geschichte zu tun hat? Bitte lesen Sie weiter.

 

Heckschleudern!

Es gab eine Zeit, die ältesten Leser von wheels! mögen sich dunkel erinnern, da hatten viele der Hersteller einen oder gar mehrere Kleinwagen im Angebot, wo das gesamte Antriebspaket, also Motor und Getriebe, an der Hinterachse sitzt. Folglich wird bei diesen Autos auch die Hinterachse angetrieben. Es war die logische Konsequenz, günstig einen Kleinwagen zu bauen, der auch noch viel Platz bot. Beispiele dieser Bauform sehen Sie in der folgenden Bildergalerie:

Mit dem Heck schleudern!

Der rote VW Käfer, das erste Auto des wheels!-Redaktors, glänzte nicht mit viel Leistung (34 PS), einem geringen Verbrauch (+8 Liter) oder einer tollen Ausstattung. Aber eines konnte er: auf schneebedeckten steilen Strassen hinaufkraxeln wie ein junger Steinbock. Der Grund dafür ist der Heckantrieb, verbunden mit einer hecklastigen Gewichtsverteilung, die dem Käfer so eine hohe Traktion verleiht. Was konnte man mit den ansonsten asthmatischen 34 PS im Schnee herumtoben. Als würde man mit einem jungen Hund im Park herumtollen. Heckmotorisierte Sportwagen wie Porsche 911 und Renault Alpine A110 räumten damals auch auf den Rallyes die Pokale ab. Leider hatten die Heckmotorautos aus dieser Zeit auch ein eigentümliches, oft heimtückisches Fahrverhalten. Wer es übertrieb und nicht mit den Reflexen eines Walter Röhrl geadelt war, flog unweigerlich ab. Damals entstand auch der vielsagende Begriff «Heckschleuder». Elektronische Fahrhilfen wie ESP, ASR usw. waren damals allenfalls in den Köpfen visionärer Ingenieure installiert. Und so verschwanden auch die kleinen Heckmotorflitzer alle vom Markt. Bis…?, ja genau, bis 2001 eben der neue Smart erschienen ist. Doch dieser enttäuschte die Freunde des sportlichen Fahrens auf der ganzen Linie. Endlos lahme Schaltvorgänge, eine indirekte Lenkung und ein allzu früh eingreifendes ASR erstickten jeden dynamischen Fahransatz im Keim. Davon abgesehen, dass der damalige Smart Forfour nur ein umgemodelter Mitsubishi Colt mit Frontantrieb war. Das kann der neue Smart, der seit 2015 auf dem Markt ist, schon viel besser.

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Schleudern oder nicht schleudern, das ist hier die Frage

Natürlich ist der Smart in der kurzen und langen Version vor allem ein praktisches Auto für den Stadt- und Kurzstreckenverkehr, logisch. Aber er ist auch eine Art Hoffnungsträger für alle Aktiv-Autofahrer, die mit den üblichen Frontantriebskratzern, die in der Klasse der Kleinwagen antreten, nichts anfangen können. Und denen ein Porsche 911 zu teuer, zu plakativ und zu unpraktisch ist. Auf der Landstrasse hat der neue Smart schon bewiesen, dass er die Tugenden der frühreren Heckmotorfahrzeuge gekonnt ins Neuzeitliche übersetzt und dank der neuzeitlichen elektronischen Sicherheitshilfen auch keine heimtückische Heckschleuder mehr ist.

» Zum Smart Cabrio

Hier folgt die Kür. Was taugt der Smart auf einem Parcours, bedeckt mit Schnee und Eis? Wir trauen uns im 90 PS starken Smart Forfour ins gut 2000 Meter hoch gelegene Skigebiet Kühtai bei Innsbruck. Der rote Viertürer ist mit dem Fünfgang-Handschaltgetriebe ausgerüstet. Fröhlich knattert der Dreizylinder-Turbo drauf los, und wir erstürmen die enge und gewundene Bergstrasse. Der Pilot grinst, der Spassfaktor ist hoch. Blöd nur, dass zwar die Skifahrer mit der weissen Pracht auf den präparierten Pisten gut versorgt sind. Die Anfahrt zur Liftstation erfolgt jedoch schneefrei. Halt, nur fast! Auf den letzten paar Metern fahren wir auf einer geschlossenen Schneedecke. Auf dem Weg zum Lift gucken die Skihaserln auf den Smart, als würde Yeti drinsitzen. Eine lächelt, als möchte sie andeuten: «Ganz schön verwegen der Kerl. Der traut sich ohne 4×4 und Geländeuntersetzung auf diese Höhe in den Schnee.» Vielleicht ist das aber auch nur die Interpretation des Autors. Erste Erkenntnis: Wo frontangetriebene Autos oft hilflos mit den Hufen (sprich: Vorderrädern) scharren und nicht mehr vorwärtskommen, hat der Smart Forfour Traktion en masse. Selbst die steile Anfahrt zur Mittagshütte bringt den kleinen Viertürer und seinen Piloten nicht ins Schwitzen. Ausbruchsversuche der Hinterachse kontert das ESP schon im Ansatz. Jede Wette, dass der kleine Smart schneebedeckte Höhen erklimmt, wo ein vierradgetriebener, breitbereifter 2-Tonnen-SUV schlappmacht.

Smart im Schleudergang

Der Smart Forfour hat die Pflicht erfüllt. Fahren auf Schnee, kein Problem. Aber wie sieht es mit Spass auf Schnee aus? Ein leerer, schneebedeckter Busparkplatz soll Klärung schaffen. Mit deaktiviertem ESP geben wir Gas, schwänzelnd zieht der Smart los, mit der direkt ansprechenden Lenkung lässt sich der kleine Hecktriebler in Rallye-Manier anstellen. Leider trickst uns die Elektronik aus. Denn ein deaktiviertes ESP bedeutet bei Smart eben nicht abgeschaltet. Es reagiert nur später, aber leider noch immer zu früh, um den Smart im Drift um die Kurve zu lassen. So findet das autobegeisterte Spielkind im Smart leider keine Verzückung. Ach ja, übrigens. Im umfangreichen Zubehörkatalog von Smart findet sich kein passender Skiträger für das Dach. Schade eigentlich!

 

Technische Daten Smart Forfour (66 kW)
Preis ab 16 600 Franken
Hubraum Dreizylinder-Turbo, 0,9 Liter
Leistung 90 PS bei 5500 U/min
Drehmoment 135 Nm bei 2500 U/min
Antrieb Heckantrieb
0 bis 100 km/h 11,2 s
Spitze 165 km/h
Verbrauch 4,3 l/100 km (Werksangabe)
CO2 99 g/km (Werksangabe)
Aussenmasse 349 x 167 x 155 cm
Kofferraumvolumen 190–350 l
Markteinführung 2015
Konkurrenten Renault Twingo Energy TCe 90
(ab 15 700 Franken)Toyota Aygo 1,2VVT
(ab 16 400 Franken)