Wham, bumm, ohne Vorwarnung kommt die grosse Limousine beim Beschleunigen auf einmal kurz quer und keilt aus, wie ein von der Tarantel gestochener Mustang. Dabei habe ich gar nichts gemacht. O.K., gut, ich habe auf der Auffahrt zur deutschen Autobahn alle elektronischen Fahrhelferlein abgeschaltet und auf dem Beschleunigungsstreifen den rechten Fuss durchgetreten. Konnte ja keiner ahnen, dass im CTS-V gleich ein Inferno losbricht. Oder doch? Eigentlich schon, wenn man sich die Leistungsdaten vorher genauer angeschaut hätte. Die amerikanische Oberklasse-Limousine protzt mit 649 PS und sprintet in 3,7 Sekunden von null auf Tempo 100.

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Damit zielt der US-Hersteller genau auf AMG, BMW M5 und Audi RS6. Und trifft. Denn schnell wird klar, hier wächst eine ernsthafte Konkurrenz heran. Mutterkonzern General Motors hat sich für das Projekt viele europäische Partner ins Boot geholt, die mit der Entwicklung von Hochleistungs-PKW Erfahrung haben.

Michelin zum Beispiel stellt den Pilot Sport Cup in einer speziellen Mischung zur Verfügung. In der Lauffläche stecken unterschiedliche Gummimischungen. Je nach Fahrzustand reagiert dann die Innenseite anders als die mittlere Lauffläche und die Aussenseite. Oder die Bremsen. Da kommt man um den italienischen Spezialisten Brembo nicht mehr herum. Vorne verbeissen sich 6-Kolben-Festsättel aus Aluminium in die pizzatellergrossen innenbelüfteten Scheiben der 9,5 und 10 Zoll breiten 19-Zoll-Räder. Das Bremsvermögen ist auch deshalb so beeindruckend, weil der CTS-V zu den leichtesten der Performance-Limousinen zählt. Die 649 Pferde des 6,2 Liter grossen V8 haben nur (wenn man von «nur» sprechen möchte) 1925 Kilo zu bewegen. So schleppt der Cady schmale 2,9 Kilo pro PS. Im Vergleich dazu muss sich der Audi RS6 mit 3,7 Kilo pro PS herumplagen.

Der Motor des American Bombers stammt aus der Corvette Z06, der auch dank eines Kompressors den Drehmomentwert einer Dampflokomotive bereitstellt. Gewaltige 855 Newtonmeter zerren an der Hinterachse und drohen dank einer bis zu 100 Prozent gesperrten Hinterachse faustgrosse Brocken aus dem Asphalt zu reissen. Damit die Hinterachse nicht überhitzt, wird sie über den Ölkreislauf des 8-Stufen-Automatik-Getriebes über einen separaten Ölkühler kühl gehalten. Überhaupt wurde viel Wert auf Detailarbeit gelegt. Einfach ein paar Spoiler, Schweller und Flaps an die Karosse kleben, das geht nicht mehr. Die Leichtbau-Motorhaube aus Kohlefaser weist einen Entlüftungsschlitz auf, der nicht nur die heisse Luft aus dem Motorraum abführt, sondern auch unerwünschten Auftrieb vermeidet, indem die durch den Kühlergrill eingesaugte Luft nach oben wieder abgeführt wird und nicht nach unten abstrahlt. Das auf Wunsch erhältliche Kohlefaser-Paket bewirkt eine Verbesserung der Aerodynamik und der Masseverteilung. Getestet wurde das ganze Hightech-Package unter anderem auf der Nürburgring-Nordschleife. Apropos Rennstrecke. Der Performance Data Recorder zeichnet per fest installierter Kamera die Fahrt auf. Dazu speichert das System die Telemetriedaten auf einer SD-Karte. So kann man die Performance-Runde zuhause am Rechner noch einmal geniessen und analysieren, während der CTS-V in der Garage abkühlt. So bezeichnen auch die Macher des CTS-V ihr Baby als Daily Driver und Track Performer.

Der CTS-V ist Ihnen zu monströs, zu unvernünftig? Bitteschön, auch dafür hat Cadillac gesorgt. Der ATS-V kann alles, was der CTS-V kann, nur eine Nummer kleiner. Der mit einem Twinturbo-V6 und 470 PS ausgestattete Viertürer kostet ab 89 500 Franken, ist auch als elegantes Coupé zu haben und schafft mit einem Spitzentempo von 304 km/h ebenfalls locker die 300er-Hürde.

Technische Daten Cadillac CTS-V
Preis ab 114 500 Franken
Hubraum V8 Kompressor Benzin, 6,2 Liter
Leistung 649 PS bei 5850 U/min
Drehmoment 855 Nm bei 3500 U/min
Antrieb Heckantrieb
0 bis 100 km/h 3,7 s
Spitze 320 km/h (abgeriegelt)
Verbrauch 13,0 l/100 km (Werksangabe)
CO2 298 g/km (Werksangabe)
Aussenmasse 502 x 186 x 145 cm
Ladevolumen 388 Liter
Markteinführung 2016
Konkurrenten BMW M5 (ab 125 500 Franken)

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Fazit
Wie sagte schon der legendäre Walter Röhrl einmal? Ein Auto hat erst dann genügend Leistung, wenn Dir schon beim Aufsperren die Schweissperlen auf der Stirn stehen. Ob er bei dem Spruch vielleicht den Cadillac CTS-V gemeint haben könnte? Solange es noch Autos wie den Cadillac CTS-V geben darf, können mir Google und Co. gerne mit selbstfahrenden Salatschüsseln drohen.

Vor- und Nachteile

  • extreme Fahrleistungen
  • niedriges Drehzahlniveau auf Autobahn

  • hoher Wertverlust
  • dünnes Service-Netz