Viele Stimmen in der Fachwelt bezeichnen den Opel GT Concept als die wichtigste Neuheit auf dem Autosalon Genf 2016. Wichtig für Opel, weil der Konzern zeigt, dass er wieder da ist und neben vernünftigen und qualitativ hochwertigen Fahrzeugen auch wieder Spass, Leidenschaft und sogar einen Schuss Erotik in einem Fahrzeug vereinen kann. Die Studie ist aber auch wichtig für den Konsumenten, dem gezeigt wird, dass ein Auto auch ohne Superlative begehrenswert und aufregend sein kann. Doch noch ist der silberschwarze Flachmann nur eine Studie, eine extrem avantgardistische obendrein. wheels! hat sich mit den Design- und Technikelementen der Studie beschäftigt und spekuliert: Was kommt in der Serie und was bleibt Zukunftsmusik?

design

Design

Die Grundform zeigt einen klassisch gestylten Sportwagen für zwei Personen mit einer weit heruntergezogenen Gürtellinie, Motor vorne und Antrieb hinten. Eine lange nach vorn abfallende Motorhaube, eine knapp geschnittene Fahrgastkanzel und ein kurzes knackiges Heck. Die Proportionen erinnern an den ersten Opel GT von 1968.
Serieneinsatz: So wahrscheinlich der Bau eines neuen GT ist, so wahrscheinlich wird auch die Grundform übernommen werden. Nur die Flanken an der Seite dürften in der Serie nicht so tief eingeschnitten sein. Das kostet Platz. Und eine kleine Heckklappe wäre auch praktisch. Die fehlt bei der Studie.

Die farblich integrierten Scheiben lassen das Design wie aus einem Guss wirken. Der GT Concept wirkt wie flüssiges Metall, so der Eindruck. Keine Türgriffe oder Aussenspiegel stören diesen Fluss.
Serieneinsatz: Was klasse aussieht, muss nicht praktisch sein. Der Fahrer sollte mit der Aussenwelt Sichtkontakt haben, nach beiden Seiten! So werden in der Serie normal getönte Fenster zum Einsatz kommen und auch herkömmliche Aussenspiegel. Kameras als Ersatz dürften für die Serienfertigung zu teuer sein. Der Opel GT soll ein preiswerter Sportwagen sein.

Die roten Vorderreifen, die mit den Felgen im Rollerskate-Design eine optische Einheit bilden, sehen rattenscharf aus. Öffnet man die Tür, dann wird der Blick frei auf das Reifenprofil. Die platzsparende und von Opel patentierte Türaufhängung ermöglicht einen grossen Öffnungswinkel, zum Beispiel wenn in der engen Parklücke nebenan ein fetter SUV steht.
Serieneinsatz: Rote Reifen sind ein netter Designgag, werden aber in der Serie nicht kommen. Die spezielle Türaufhängung macht Sinn, wird aber nicht kostengünstig realisierbar sein. Der Einsatz im Serien-GT ist unwahrscheinlich.

technik

Technik

In der Studie kommt ein nur ein Liter grosser Dreizylinder zum Einsatz, der dank eines Turboladers beachtliche 145 PS leistet und weit hinter der Vorderachse sitzt. Die Kraft wird via eines sequentiellen Sechsganggetriebes an die Hinterräder(!) geleitet. Das verspricht bei einem Gewicht von nur etwa 1000 Kilogramm sportwagenmässige Fahrleistungen: Von null auf 100 in unter 8 Sekunden und eine Spitze von 215 km/h. Der Verbrauch dürfte sich bei 5–6 Litern einpendeln.
Serieneinsatz: Genau so wünschen wir uns von wheels! auch das Technik-Layout für die Serie. Der kleine Turbo-Dreizylinder ist in Astra und Co. erprobt und macht in dem Budget-Sportler auch Sinn. Beim Getriebe könnte auch ein günstigeres Handschaltgetriebe mit 6 Gängen zum Einsatz kommen. Nur der Heckantrieb bereitet uns und auch den Opelanern noch Kopfzerbrechen. Denn im Konzern findet sich dafür keine geeignete Plattform. Oder haben die Ingenieure vielleicht schon eine Lösung dafür? Bei einem GT mit Frontantrieb würden sich viele Fans abwenden.

Interieur

Innenraum:
Das Interieur ist – typisch Studie – sehr aufwendig gestaltet: Extrem geformte Sportsitze, elektrisch verstellbares Lenkrad und Pedale und ein Armaturenträger aus gebürstetem Aluminium. In den Aluminium-Luftdüsen sind anstelle der Aussenspiegel runde Monitore eingelassen.
Serieneinsatz: Hier wird der Serien-GT am meisten Federn lassen müssen. Wir vermuten, dass weder die aufwendig gestalteten Sitze noch elektrisch verstellbare Pedale und ein Armaturenbrett aus Aluminium für die Serie realisierbar sind. Schliesslich handelt es sich um einen Opel und nicht um einen Aston Martin. Statt der Monitore dürften reguläre Aussenspiegel zum Einsatz kommen.

Innenausstattung:
Das zentrale Bedienkonzept in der GT-Studie nennt sich Human Machine Interface, kurz HMI. Quasi die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. HMI lernt den Fahrer kennen und passt sich seinen Bedürfnissen an. Das Auto stellt sich auf den Fahrer ein, nicht umgekehrt. Bedient wird das HMI über ein zentrales Pad und Spracheingabe. Das System merkt sich jedes Kommando und jede Einstellung und registriert, was der Fahrer möchte. Hinter dem adaptiven HMI steckt ein ganzheitlicher Ansatz, eine Fahrzeug-Bedienung wie aus einem Science-Fiction-Film. Das passt zum avantgardistischen Bild des GT Concept.
Serieneinsatz: Sprach- und Gestensteuerung im PKW sind heute schon Standard. Ein einfaches, etwas reduziertes Human Machine Interface, warum nicht? Es klingt so, als könnte es bald Realität werden. Warum nicht im Serien-Opel GT, der vielleicht 2019 anläuft.

Fazit

Hier kommt ein eindeutiger Aufruf an Opel-Chef Karl-Thomas Neumann: Bitte bauen Sie einen neuen Opel GT in möglichst diesem Layout. Ein kleiner, knackiger und bezahlbarer Sportwagen mit Frontmotor und Heckantrieb. Ein Spassauto, das einem nicht die Haare vom Kopf frisst. Auf Schnickschnack wie HMI und rote Reifen können die Fans gerne verzichten. Und das zu einem Preis unter 25 000 Franken. Dann hätte der neue GT das Potenzial zu einem Kultauto wie der Mazda MX-5 oder Audi TT.