Würde Captain Future von der gleichnamigen japanischen Anime-Serie auf der Erde landen, er würde Infiniti Q30 fahren. Der Premium-Kompakte sieht aus, als würde er aus der Zukunft kommen. Trotzdem passt die ganze Besatzung inklusive Raumanzüge in das Auto.

Futuristischer Crossover

Die erste Erkenntnis, wenn man im Infiniti Q30 unterwegs ist: Der kompakte Edel-Japaner mit den futuristischen Linien ist kein Auto für schüchterne und kontaktscheue Zeitgenossen. Man wird ein paarmal angestarrt, bis man begreift, das Interesse gilt dem Fahrzeug und nicht dem Lenker. Die schwungvolle Dachlinie, die zahlreichen Sicken und Lichtkanten der viertürigen Karosse fallen auf. Vor allem das wuchtig erscheinende Heck in Verbindung mit den riesigen 18-Zoll-Rädern erregt Aufmerksamkeit. Schade, bei der hübschen Blonden im Mini Cabrio hätte man sich das gerne anders herum gewünscht. Beim ersten Tankstopp mit dem kompakten Japaner entspinnt sich dann mit einem neugierigen Nissan-Juke-Fahrer folgendes Gespräch:

Juke-Fahrer:

«Ha, was ist denn das für ein Auto? Ein Infiniti. Der sieht ja scharf aus. Was kostet denn der?»

Redaktor:

«So, wie er hier steht, mit dem 2,2 Liter Diesel und einer umfangreichen Ausstattung etwa 57 000 Stutz.»

Juke-Fahrer:

«Uih, günstig ist das nicht, aber Allrad hat er wenigstens. Aber was ist das jetzt für eine Fahrzeuggattung? Der hat ja viel mehr Bodenfreiheit und auch grössere Räder als ein Golf. Für einen SUV sieht der aber dann wiederum zu schnittig und flach aus.»

Redaktor:

«Da haben Sie recht. So ein Fahrzeug nennt man Crossover. Unter der Karosse steckt die Technik des Mercedes GLA.»

Juke-Fahrer:

«Was, Mercedes? Aber das ist schon ein Japaner, oder? Was es alles gibt.»

 

Er schüttelt den Kopf und verabschiedet sich mit einer Handbewegung. Ich hätte ihm noch gerne zugerufen, dass Premium eben kostet, aber da war er schon entschwunden. Er hätte es aber auch selbst gemerkt, wenn er noch einen Blick in den nobel wirkenden Innenraum riskiert hätte. Hier haben sich die Entscheider von Infiniti (oder Nissan?) nicht lumpen lassen. Die Sitzverstellung lässt schnell erkennen, dass der Mercedes GLA nicht nur die Plattform und Technik, sondern auch die Schalter und Armaturen liefert. Feines Leder umspannt die Sitze, und alles fühlt sich gut und hochwertig an. Klavierlack-Einlagen, verchromte Teile und Türgriffe in poliertem Alu sorgen für eine ansprechende Optik. Also alles gut? Nicht ganz. Denn zugunsten der schnittigen Linie sind die Platzverhältnisse bestenfalls Durchschnitt und die Übersichtlichkeit, besonders nach hinten, leidet auch darunter. Da verschmerzt es nur wenig, dass der Parkassistent super funktioniert. Das nur 7 Zoll kleine Display der Infotainment-Einheit kann auch nicht besonders glänzen und mutet in der Darstellung eher an, wie ein vorsintflutliches Videospiel. Dieses Bauteil stammt ausnahmsweise nicht von Daimler, sondern ist eine Eigenentwicklung von Infiniti. Der neue Infiniti-Fahrer wundert sich darüber und ärgert sich zu Beginn über die unlogische Bedienführung. Dafür funktioniert die 360-Grad-Kamera tadellos.

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Harmonie vor Sport

Im Vorspann der japanischen Zeichentrickserie schiesst Captain Future mit einer Affengeschwindigkeit durch Zeit und Raum. Im Q30 muss er sich etwas zurücknehmen. Auch wenn wir im stärksten Diesel mit 170 PS unterwegs sind. Hier ist Harmonie vor Sport angesagt. Der grosse Diesel setzt seine 350 Newtonmeter bereits bei niedrigen Drehzahlen in Vortrieb um. Das Doppelkupplungsgetriebe mit seinen 7 Gangstufen agiert geschmeidig und unauffällig. Dank des Allradantriebs bringt der kompakte Crossover seine Leistung immer sicher auf die Strasse. Der Sprint auf Tempo 100 dauert gefühlt länger als die Werksangabe mit 8,5 Sekunden. So kommt kein sportliches Fahrgefühl auf. Kein Wunder, wenn man sich anschaut, wie die imaginäre Waage unter dem Q30 ächzt. Satte 1745 Kilo ist der Q30 mit Allradantrieb und Luxusausstattung schwer. Ein schwerer Brocken für die Kompaktklasse – egal, ob SUV oder CUV oder wie immer man das Konzept nennen mag. Das hohe Gewicht sorgt aber zusammen mit dem gut abgestimmten Fahrwerk für einen aussergewöhnlich hohen Langstreckenkomfort. Das niedrige Innengeräusch und die etwas höhere Sitzposition tun ihr Übriges. Perfekt zum Cruisen auf der Schweizer Autobahn. Trotzdem kommt man sich nicht vor, als würde man im Kommandostand eines ausgewachsenen LKW sitzen, wie es viele andere SUV vorgaukeln. Allerdings sollte einem klar sein, dass man bei 1,8 Tonnen Fahrzeuggewicht nicht mit unter 5 Liter Diesel Treibstoffverbrauch auskommen wird. Im Testmittel waren es knapp 7 Liter. Übrigens, der Infiniti Q30 wird weltweit vermarktet, nur in seinem Ursprungsland Japan nicht. Dort muss sich Captain Future ein anderes Future-Mobil besorgen.

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Technische Daten Infiniti Q30 2.2d AWD Premium
Preis Ab 49 980 Franken
Hubraum Vierzylinder, Turbo-Diesel, 2,2 Liter
Leistung 170 PS bei 3400 U/min
Drehmoment 350 Nm bei 1400 U/min
Antrieb 7-Gang-Automatik, Allradantrieb
0 bis 100 km/h 8,3 s
Spitze 215 km/h
Verbrauch 4,9 l/100 km (Werksangabe)
6,8 l/100 km (Praxisverbrauch)
CO2 127 l/100 km (Werksangabe)
Aussenmasse (LxBxH) 443 x 181 x 150 cm
Ladevolumen 430 Liter
Markteinführung 2016
Konkurrenten Mercedes GLA 220d 4matic
(45 674 Franken),
Volvo V40 Cross Country D3 Geartronic (38 350 Franken)
Fazit
Der Infiniti Q30 glänzt mit einem hohen Komfort-Faktor. Der Crossover ist für alle eine Alternative, die im Premium-Segment etwas anderes fahren möchten als die üblichen Verdächtigen.

Vor- und Nachteile

  • Hochwertige Verarbeitung, harmonische Motor/Getriebeeinheit, komfortables Fahrverhalten

  • Sicht nach hinten, hohes Fahrzeuggewicht, kleiner Kofferraum

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