Nur ein Liter Hubraum und ein Dreizylinder-Motor aus Korea! Der neue Kia Ceed 1.0 T-GDi kämpft im Haifischbecken der Golfklasse mit vermeintlich schlechten Karten um Marktanteile. Dort, wo sich nahezu alle Hersteller eine Schlacht liefern um die Kunden? Das kann doch nur schiefgehen, denkt man im ersten Moment. Tut es aber nicht. Der rundumerneuerte Ceed schlägt sich erstaunlich gut. Wenn nur…, aber bitte lesen Sie selbst.

Mittlerweile ist der Ceed in der dritten Generation in Europa unterwegs. Wurden damals die koreanischen Autohersteller noch als Billiganbieter mit einfach konstruierten, dem Stand der Technik hinterherhinkenden Fahrzeugen belächelt, so hat sich das Bild in nur einem Jahrzehnt stark verwandelt. Kia wird ernst genommen, von den Kunden und der Konkurrenz. Denn die asiatischen Entscheider in der Konzernzentrale haben schnell gelernt: Ein Auto, das in Europa Erfolg haben soll, muss auch für die europäischen Bedürfnisse und Anforderungen entwickelt werden. Deshalb ist der Kia Ceed so wenig koreanisch, wie eine in Südamerika produzierte Asia-Instant-Suppe. Der Ceed wurde in Deutschland, genauer gesagt in Rüsselsheim entwickelt und wird in Europa ausschliesslich für den europäischen Markt produziert.

Design-Chef Peter Schreyer, der unter anderem für Design-Ikonen wie dem ersten Audi TT verantwortlich zeichnet und inzwischen ganz oben in der Konzernzentrale angelangt ist, hat der Marke ein einheitliches Gesicht verschafft. Der neue Ceed wurde optisch gegenüber seinem Vorgänger aber nur etwas nachgeschärft. Das Design fällt nicht aus dem Rahmen, ist eher gefällig konservativ gestaltet. Am ehesten sticht dem Betrachter das «Ice Cube-LED» genannte Tagfahrlicht an der Front auf. Geschmacksache!

Die Karosserie-Qualität lässt keine Wünsche offen. Spalt- und Fugenmasse sind auf einem hohen Niveau. Im Fahrbetrieb fällt einem die hohe Steifigkeit der soliden Karosse auf. Die Koreaner haben ein grosses Vertrauen in ihre Produkte und geben sieben Jahre oder 150 000 Kilometer Garantie.

Die zweifarbigen Sitze passen sich gut dem Körper an, und das Interieur ist mit etwas Klavierlack auf edel gemacht. Das Cockpit ist klar und einfach gestaltet. Man setzt sich in den Ceed und versteht ihn sofort. Das ist heutzutage bei einem Neuwagen keine Selbstverständlichkeit mehr. Die ganze Materialanmutung und die Verarbeitung gehen in Ordnung. Das Platzangebot ist auch auf der Rücksitzbank ausreichend. Einen Abstandsradar oder einen Notbremsassistenten findet man beim Ceed noch nicht. Auch beim Thema Konnektivität hinken die Koreaner etwas hinterher. So kann man die Bedienung des Smartphones nicht auf das Display in der Mittelkonsole übertragen.

 

Das Spannendste am neuen Ceed ist natürlich der Motor, ein nur ein Liter kleiner Dreizylinder Benziner mit Turbolader, ganz nach der Maxime des Downsizing-Trends entwickelt. Da fragt man sich als Fahrer natürlich schon, ob ein so kleines Motörchen mit den 1400 Kilo Leergewicht zurechtkommt. Nach dem Start gibt sich der kalte Motor etwas brummig und überträgt die Vibrationen auf die Karosse. Das bessert sich aber schnell, wenn der Motor seine Betriebstemperatur erreicht hat. Als Erstes fällt eine kleine Anfahrschwäche auf. Im zweiten Gang im Standgas dahinzurollen, mag der Motor gar nicht. Schade, denn im Schweizer Schiebe- und Stossverkehr rollt man oft in diesem Tempobereich dahin. Aber ab ca. 2000 Umdrehungen zieht der kleine Dreizylinder ordentlich an. Das höchste Drehmoment von 172 Newtonmetern fällt erst bei vergleichsweise hohen 4000 Umdrehungen an. Zum Glück findet das gut abgestufte 6-Gang-Getriebe schnell die passende Übersetzung. Es lässt sich leichtgängig schalten, und die Kupplung ist gut zu dosieren. Das neue 6-Gang-DSG-Getriebe ist leider nur in Verbindung mit dem grösseren 1,6-l-Benziner mit 135 PS erhältlich. Da sollte Kia unbedingt bald nachbessern. Wer aber gerne schaltet, kommt mit dem Einliter-Ceed auch auf Überlandfahrten gut zurecht. Logisch ist er kein Dynamik-Wunder. Wer wirklich ordentlich beschleunigen will, muss den Dreizylinder bis nahe an den roten Bereich bei 6000 ausdrehen. Leider ist der Downsize-Koreaner mit dem kleinen Dreizylinder nicht zum Verbrauchswunder mutiert. Mit viel gutem Willen kamen wir auf knapp 6 Liter. Der Schnitt pendelte sich bei 6,3 Liter ein. Aber dieses Problem haben auch andere vermeintliche Benzinsparmodelle mit drei Zylindern.

Technische Daten KIA Ceed 1.0 T-GDi Trend
Preis ab 22 750 Franken
Hubraum 3-Zylinder Turbo Benzin, 1,0 Liter
Leistung 120 PS bei 6000 U/min
Drehmoment 172 Nm bei 4000 U/min
Antrieb Frontantrieb
0 bis 100 km/h 12,1 s
Spitze 190 km/h
Verbrauch 4,9 l/100 km (Werksangabe)
6,3 l/100 km (Praxisangabe)
CO2 115 g/km (Werksangabe)
Aussenmasse 431 x 178 x 147 cm
Ladevolumen 380–1380 Liter
Markteinführung 2016
Konkurrenten Ford Focus 1.0 Eco Boost
(ab 20 400 Franken)

Fazit
Der neue Kia Ceed ist ein rundum gelungenes Auto, in dem man sich sofort wohl fühlt. Kühle Rechner sollten sich den günstigeren 1.4 Liter mit 100 PS genauer anschauen. Der ist möglicherweise die bessere Wahl, allerdings nur in der Classic-Ausstattung erhältlich. Also nichts für Ausstattungsfetischisten.

Vor- und Nachteile


  • Umfangreiche Serienausstattung (Modell Trend)
  • 7 Jahre Werksgarantie
  • hohe Karosseriequalität

  • Brummiger und drehmomentschwacher Dreizylinder