Schon im Stand sieht der neue Mini JCW Cabrio nach viel Spass aus. Egal, ob offen oder geschlossen, erweist sich der stärkste Mini aller Zeiten als agile Fahrmaschine. Der Spass hat aber auch seinen Preis.

Everybody‘s Darling
Auf den ersten Blick hat er sich äusserlich nicht gross verändert. Warum sollte er auch? Der Mini ist und bleibt ein Erfolgsmodell. Ein «Everybody‘s Darling», gerade als Cabrio. Steht vor einem dann auch noch die stärkste Variante, gibt es für den Motoristen kaum ein Halten mehr. Doch halt, begutachten wir erst die äusserlichen Modifikationen. Die Silhouette wirkt nun etwas gestreckter, als hätte der neue Mini etwas um die Hüfte abgespeckt. Die Frontschürze zieren grosse Kühllufteinlässe, die den beim normalen Mini Cabrio für Positionsleuchten und Nebelscheinwerfer vorgesehenen Raum einnehmen. Eigenständig gestaltete Seitenschweller und Heckschürze demonstrieren das Mehr an Power auch optisch. Die Fahrzeugabmessungen sowie der Radstand und die Spurweite sind im Vergleich zum Vorgängermodell deutlich gewachsen. So richtig Mini ist das nicht mehr, aber egal. Der Grössenzuwachs kommt dem Raumkomfort auf allen vier Sitzplätzen zugute. Die Fondsitze mit Einzelsitzcharakter jedoch sind nach wie vor nur für Kleinwüchsige oder Nichtbeinige zu gebrauchen. Das Gepäckraumvolumen mit 215 Litern bei geschlossenem beziehungsweise 160 Litern bei offenem Verdeck ist immer noch aller Schande wert. Das neue Textilverdeck öffnet und schliesst sich jetzt vollelektrisch innerhalb von 18 Sekunden. Hier zählt das JCW Cabrio ausnahmsweise nicht zu den schnellsten Cabrios. Es tut dies auch während der Fahrt, allerdings nur im Bummelgang bis 30 Stundenkilometer. Immer wieder angenehm, gerade bei etwas niedrigen Temperaturen, ist die Schiebedach-Funktion. Besonders freaky: Das wahlweise erhältliche Softtop «Mini Yours» mit einem eingewobenen Union-Jack. So trägt man die Mini-Herkunft stolz nach aussen, auch wenn sich der in Bayern gebürtige Autor dieser Zeilen noch eine Verdeck-Variante im weissblauen Rauten-Look wünscht. Schliesslich wurde die Erfolgsgeschichte des Lifestyle-Cabrios in München geschmiedet. Da mischt auch beim Landsmann ein bisschen Stolz mit.

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Geht ab wie ein alter Elfer!
Vor allem, wenn er so abgeht wir der neue JCW. 231 PS leistet der exklusiv dem JCW vorbehaltene 2.0 Liter Turbo. Genauso viel wie ein Porsche 911 vor 30 Jahren. Dieser müsste auch alle Pferdestärken mobilisieren, möchte er dem hurtigen Kleinwagen auf der Spur bleiben. In nur 6,6 Sekunden huscht der kleine Engländer von null auf Tempo 100 und macht eine Spitze von 242 km/h. Auch der Sound ist nicht von schlechten Eltern. Leicht brabbelig klingt er nach mehr. Mehr Hubraum, mehr Gas geben! Das macht besonders Spass in Verbindung mit dem knackig zu schaltenden 6-Gang-Getriebe. Auf Wunsch ist auch ein DSG-Getriebe erhältlich. Die Schaltbox leitet beim Mini die Kraft auf die Vorderräder und vermindert somit für viele Sportwagen-Freaks den Spass am Fahren mit hohem Leistungseinsatz. Nicht so beim JCW Cabrio. Wie der Fronttriebler die Kraft umsetzt, ohne nervende Antriebseinflüsse auf die direkte Lenkung, ist immer noch eine Schau. Diese Leistung der Fahrwerks-Ingenieure muss man neidlos anerkennen. Trotzdem muss man sagen, dass hier die Konkurrenz aufgeholt hat und dass man mit dem hohen Drehmoment von 320 Newtonmetern beim Turbo vielleicht schon an die Grenzen des Konzeptes gestossen ist. Auch die Cabrio-Karosse präsentiert sich ausreichend steif, nichts klappert oder verwindet sich. Ein geschlossener JCW ist auf der Rennstrecke natürlich besser aufgehoben. Die Brembo-Sportbremsanlage hat die Leistung des John Cooper Works jedenfalls in allen Lebenslagen gut im Griff. Als Option sind dynamische Dämpfer verfügbar. DSC (Dynamische Stabilitäts Control), DTC (Dynamische Traktions Control) und EDLC (Electronic Differential Lock Control) sind serienmässig an Bord. Auch sonst kann sich die umfangreiche Serienausstattung sehen lassen. Neben dem vollautomatischen Softtop sind serienmässig unter anderem eine Klimaanlage, das Radio MINI Boost mit USB-Anschluss sowie LED-Scheinwerfer und die Park Distance Control an Bord. Trotzdem muss man erwähnen, dass der Preis von knapp 42 000 Franken für das knapp 4 Meter kurze Cabrio schon sehr ambitioniert ist. Ein fast gleich starker Beetle Cabrio mit 2.0 TSI-Motor steht für über 6000 Stutz weniger in den Schaufenstern.

 

Technische Daten Mini John Cooper Works Cabrio
Preis Ab 41 900 Franken
Hubraum 4-Zylinder, Turbo, 2,0 Liter
Leistung 231 PS bei 5200 U/min
Drehmoment 320 Nm bei 1250 U/min
Antrieb 6-Gang-Schaltgetriebe, Frontantrieb
0 bis 100 km/h 6,6 s
Spitz 242 km/h
Verbrauch 6,5 l/100 km (Werksangabe)
CO2 152 l/km (Werksangabe)
Aussenmasse (LxBxH) 387 x 173 x 142 cm
Ladevolumen 160–215 Liter
Markteinführung 2016
Konkurrenten Volkswagen Beetle Cabrio 2.0 TSI Sport ( 34 650 Franken)
Fazit
Mit dem Mini JCW Cabrio ist man überall bestens angezogen. Schick und trendy für die Shopping-Tour in der Metropole. Sportlich und dynamisch für die Hatz auf der Bergstrecke. Nur der hohe Einstandspreis und das schmale Platzangebot trüben den Mini-Spass etwas.

Vor- und Nachteile

  • Gute Fahrleistungen, tolles Fahrwerk, hochwertige Qualitätsanmutung

  • Wenig Platz im Fond, kleiner Kofferraum, hoher Einstandspreis