Eigentlich sollten Reisemobile auf der Strasse bleiben, denn da gehören sie hin. Der deutsche Kastenwagenspezialist «La Strada» bestückt einige seiner Modelle mit Allrad-Getriebe. Bei einer Zuzahlung von über 16 000 Franken erhält der Kunde Fahrspass abseits asphaltierter Strassen, wie zum Beispiel den «La Strada Regent S 4×4».

Das Wohnmobil in der Kiesgrube
In der Theorie klingt das jetzt erst mal prima. Doch nur ein Praxistest bringt Klarheit, ob das Wohnmobil abseits der Strasse eine gute Figur macht. Doch für echte Geländeausflüge mit tiefen Narben und Verschränkungspassagen ist die eher strassenorientierte Auslegung des Permanent-Allrads nicht konzipiert. Zum Beispiel fehlen Reserveräder, und unter dem «Regent» fehlen Unterfahrschutzplatten. Der Wassertank sowie die elektrische Eintrittsstufe könnten von einzelnen Hindernissen erwischt werden. Aber dennoch wird unser «Allrad-Test» zeigen, wie gut das Fahrzeug auch abseits der Strasse zurechtkommt!

Wir haben eine Kiesgrube in der Nähe von Wiesbaden gewählt. Hier testen im Übrigen auch die Fahrer des X-raid-Teams von Sven Quandt ihre Allrad-Minis, bevor es auf die «Dakar» geht, der härtesten Rallye der Welt. Wenn schon absolute Offroad-Profis diesen Parcours benutzen, kann man schon davon ausgehen, dass das Gelände einem einiges abverlangt.

Weil wir das Fahrzeug heil beim Hersteller wieder zurückgeben müssen, fahren wir erstmal alle Wege ab. Der Regent fährt nicht gerade wie ein schwermütiges 6 Meter langes Reisemobil, sondern leichtgängig wie ein PKW. Das liegt an der Basis, dem Mercedes Sprinter, dessen 163 PS und das Allradgetriebe für genug Vortrieb sorgen. Geradezu spielerisch meistert er alle leichten Steigungen, Untiefen und zerfurchten Wege. Das Zuschalten des Allradantriebs erfolgt bei laufendem Motor im Stand oder bei niedrigen Geschwindigkeiten bis 10 km/h.

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Die Allrad-Technik – Garant dafür, im Gelände weiterzukommen
La Strada Fahrzeugbau hat die Serien-Allrad-Variante des Mercedes Sprinter Kastenwagens höher gelegt und auf 16-Zoll-Räder mit 245/75er BF Goodrich All Terrain-Reifen gestellt. Der Antriebsstrang mit dem elektrisch zuschaltbaren Vorderradantrieb und variabler Kraftverteilung wird übernommen.
Ist der Allradantrieb zugeschaltet, rückt ein Elektromotor in diesem Fall am Verteilergetriebe ein Stirnradpaar ein. Die Kraftübertragung erfolgt variabel, alle Elemente des serienmässigen ADAPTIVE ESP sind auch bei Allradantrieb in Funktion, ebenso wird die Antriebsschlupfregelung ASR aktiviert. Bei Allradantrieb wird die Antriebskraft des Sprinter 4×4 im normalen Fahrbetrieb im Verhältnis von 35:65 auf Vorder- und Hinterachse übertragen. So weit, so gut. Erst habe ich Betonwege, dann Kieswege und anschliessend eine riesen Sandgrube befahren. Ein wenig heikel, denn es hatte den gesamten Vormittag geregnet. Ich fahre einige Runden im schweren Sand im Kreis. «Nur nicht stecken bleiben» heisst das Motto. Einen Traktor, der uns rausziehen könnte, gibt es nämlich nicht. Der Sprinter wühlt sich durch den Sand, und als ich absichtlich stehen bleibe, fährt der Naturbursche ohne besondere Kraftanstrengung wieder weiter.

Als Nächstes kommt eine Anhöhe mit etwa 35 Grad Neigung. Da es nach drei Metern nach links geht und wieder rechts hoch, hätte es schwierig werden können. Aber nun bügelt der Regent S alle Unwägbarkeiten des Offroad-Geländes glatt, auch steile Passagen sind ein Kinderspiel. Ein leichter Druck aufs Gaspedal reicht, und schon krabbelt der rund 3,1 Tonnen schwere Campingbus den Anstieg hinauf. Das elektronische Allrad-System funktioniert ebenso effektiv wie unauffällig.

Statt mit mechanischen Differenzialsperren arbeitet der Allradantrieb mit dem Elektronischen Traktions-System 4ETS: Verlieren eines oder mehrere Räder auf rutschigem Untergrund die Traktion, bremst 4ETS die durchdrehenden Räder automatisch mit kurzen Impulsen ab und erhöht dadurch in gleichem Masse das Antriebsmoment an den Rädern mit guter Traktion. 4ETS nutzt zu diesem Zweck die ABS-Radsensoren. Der automatische Bremseneingriff mittels 4ETS kann die Wirkung von bis zu drei Differenzialsperren simulieren: Längssperre, Hinterachs- und Vorderachssperre. So gesehen kann mir nichts passieren, oder?

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Der passende Gefährte für Natur pur!
Zwar wird der La Strada Regent S mit dem Sprinter 4×4 kein reinrassiger Offroader, aufgrund seiner vorn um 110 mm und hinten um 80 mm angehobenen Karosserie nähert er sich jedoch mit seinen Eigenschaften bereits einem Geländewagen. So beträgt der Böschungswinkel vorn 28 Grad statt 18 Grad beim konventionellen Regent S und hinten 27 Grad (statt 22 Grad). Der Rampenwinkel – wichtig beim Überfahren von Kuppen – beläuft sich auf 25 Grad statt 17 Grad.

Je nach Motorisierung liegt die Steigfähigkeit um etwa 20 Prozent höher als beim konventionell angetriebenen Regent S. Schade, obwohl es geregnet hat, finden wir keine tiefe Pfütze mehr, um zu demonstrieren, will leicht sich der Regent bei Bachdurchfahrten bewährt, weil seine Wattiefe mit 610 mm imponierend ist. Dann ist unser Ausritt beendet. Das Fahren hat mir so Spass gemacht, dass nun auch mein Kameramann unbedingt dieselbe Runde fahren möchte. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass er mit einem grossen Grinsen wieder aus dem Wagen ausstieg und sagte: «Super – wie im PKW!» Doch im Gegensatz zu einem PKW bietet das Reisemobil noch viel mehr.

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Kleiner Raum – viele Funktionen
Die Qualität der Möbelverarbeitung ist hoch genug, um auch Ausflüge ins Gelände zu überstehen. Mit pfiffigen Ideen versteht es La Strada, aus dem Regent S ein nobles und kompaktes Wohnmobil für zwei Personen zu bauen.

Neu ist die «Comfort Lounge», so wird die neue Sitzgruppe genannt. Und Sitzgruppe heisst es, weil man Fahrer- und Beifahrersitz zum Innenraum hin drehen kann. Dann finden vier Personen am Esstisch Platz.

Die klappbare Verlängerung der Küchenzeile dient als Arbeitsfläche. Der 60-Liter-Absorberkühlschrank ist gleich neben Herd und Spüle in griffgünstiger Höhe eingebaut. Das schmale Sprintergehäuse wird an der Stelle des Bettes auf der Fahrerseite mit einer Ausbuchtung nach aussen versehen. So kommt das Nachtlager auf immerhin 1,95 Meter Länge obwohl der Sprinter normalerweise nur 1,99 Meter Gesamtbreite hat.

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Wintertauglichkeit des Regent S
Die optionale Dieselheizung unseres Testwagens hat vor allem in der kalten Jahreszeit ihre Vorteile. Bei einem gefüllten Dieseltank sind tagelange Aufenthalte ohne einen Gedanken an die Energieversorgung der Heizung möglich. Statt mit schweren Gasflaschen zu hantieren, einfach zur Tankstelle fahren und volltanken. Die Leistung der Truma Combi 6-Dieselheizung ist bei der geringen Fahrzeuggrösse des Regent S über jeden Zweifel erhaben. Steht der Regler höher als Stufe vier, wäre selbst bei einer Aussentemperatur von null Grad die scherzhafte Bezeichnung «Saunamodus» durchaus passend. Wer gar nicht in der kalten Jahreszeit unterwegs ist, ist auch mit der serienmässigen Truma Combi 4-Gasheizung des Regent S gut bedient. Zum wohligen Raumgefühl trägt neben der kräftigen Heizung auch die Isolierung des Regent S bei. Zur Dämmung des Kastens wird 12 Millimeter dicker geschlossenzelliger «Xtreme»-Isolator aus Polyethylen-Schaumstoff verwendet. Bei vergleichbar geringerer Dicke und reduziertem Gewicht wirkt der angesprochene Isolator nicht nur hoch wärmedämmend. Das Material ist auch schwer entflammbar, dampfdicht, nimmt keine Feuchtigkeit auf, quietscht nicht und wirkt zusätzlich entdröhnend und schallisolierend. Über dem «Xtreme»-Isolator kommt ein atmungsaktiver 10 Millimeter dicker Veloursstoff zum Einsatz. So ausgerüstet übersteht der Reisende trotz des Blechkleids des Regent S auch die Minustemperaturen eines mitteleuropäischen Winters ohne das geringste Frösteln. Für strengere Wintereinsätze mit minus 20 Grad und mehr ist der Regent S aufgrund seiner Metallkarosserie wie alle Kastenwagenausbauten allerdings eher ungeeignet.

Camping im Winter?

Sommer, Sonne und Wärme, das sind die wesentlichen Aspekte für das Camping in den warmen Jahreszeiten. Aber auch im Winter hat das einfache Leben in der Natur seinen Reiz. Eine traumhafte Winterlandschaft, Ruhe und Beschaulichkeit, aber auch der Reiz des Abenteuers. Alle modernen Wohnwagen und Campingmobile lassen sich im Innenraum auf behagliche 20 bis 25 Grad aufheizen. Und man bleibt unter sich. Während in den Sommermonaten Juni, Juli und August oft mehr als 2 Millionen Übernachtungen auf Schweizer Campingplätzen registriert werden, sind es in den fünf kalten Monaten November, Dezember, Januar, Februar und März nur etwa 100 000. Ein allradgetriebenes Wohnmobil, wie der La Strada Regent S ist für die Wintercamping-Fahrt natürlich das ideale Gefährt.
Hier finden Sie eine Liste der in den Wintermonaten zugänglichen Schweizer Campingplätze.

Fazit
Der La Strada Regent S 4×4 ist ein kompaktes Wohnmobil für den anspruchsvollen Nutzer. Im Winter genauso wie im Sommer. Er fährt sich so handlich wie ein PKW. Den Test in der Kiesgrube hat er mit Bravour bestanden. Die optionale Allrad-Technik sorgt für noch mehr Fahrspass und macht aus dem «La Strada Regent S Allrad» einen echten Abenteurer.

Technische Daten La Strada Regent S 2.2
Preis ab 107 800 Franken
Hubraum 4-Zylinder Diesel, 2,2 Liter
Leistung 163 PS bei 3800 U/min
Drehmoment 360 Nm bei 1400 U/min
Antrieb Allradantrieb, Automatik
0 bis 100 km/h
Spitze Ca. 150 km/h
Verbrauch Ca. 12 l/100 km Diesel (Werksangabe)

 

CO2
Aussenmasse 593 x 204 x 282 cm
Ladevolumen
Markteinführung 2015
Konkurrenten