Im US-Bundesstaat Kalifornien herrschen die weltweit strengsten Abgasnormen, PS-verliebte «Petrolheads» treffen hier auf umweltbewusste Trendsetter, auch «early adaptors» genannt. Mitten drin: der Hybrid-Sportler BMW i8. Können die oktan-verrückten Old Schooler etwas mit dem bayerischen Saubermann anfangen?

 

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Haariger Boxer-Freak
«Ich bin ein Porsche-Typ», betont Magnus Walker immer wieder. Das Herz des ungewöhnlichen Porsche-Sammlers aus L.A. schlage nur für Sportwagen aus Zuffenhausen. Er besitzt derzeit 20 Vintage-Modelle aus den 60er- und 70er-Jahren. Dennoch kommt für den Boxer-Freak sichtlich Fahrspass auf, als wir ihm eine Testfahrt im futuristischen BMW i8 ermöglichen, dem bayerischen Saubermann mit Elektro- und Benzinmotor. Der Hybrid-Sportler mit Plug-in-Technologie begnügt sich im Normverbrauch mit 2,1 l/100 km. Ähnlich verlaufen Begegnungen des grünen Boliden mit dem weltbekannten Motorrad-Tuner Roland Sands oder den deutschen Auswanderern Klaus Borrmann und Konstantin Mroncz. Die grössten Überraschungen gehen dabei zurück auf den Sound des Dreizylinders im Heck des i8 und auf die extreme Agilität des ultraleichten Kohlefaser-Geschosses. Der cleane, schnelle BMW mit 37 km elektrischer Reichweite und 362 PS Systempower erscheint ideal für Kalifornien, den US-Bundesstaat zwischen Motorkult und extremen Abgasnormen.

 

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Ein fast lautloses Schnurren
«Wow. Unbelievable. This is absolutely cool.» Selbst wenn man kein Wort Englisch sprechen würde, könnte man die Begeisterung von Chris McIntyre verstehen. Er sitzt erstmals im Hybrid-Sportwagen BMW i8. Vom La Cienega Boulevard in Hawthorne aus fährt er in Richtung Pazifik-Küste und tritt voll aufs Gaspedal. Bis eben schnurrte der i8 im reinen Elektromodus fast lautlos dahin. Auf McIntyres Kickdown hin macht die Steuerelektronik urplötzlich auf Ernst und wuchtet die volle Systemleistung von 362 PS auf alle vier Räder. Chris ist ein Zweirad-Typ, hat seit 1992 den weltgrössten Motorradverleih «Eaglerider» aufgebaut. Jetzt verblüfft ihn der Antritt des BMW i8, obwohl er – wenn schon auf vier Rädern – den gewaltigen Punch einer auf 710 PS getunten Corvette gewohnt ist. Euphorisch lobt er am Ende den BMW i8: «Dieses Auto hat wahrlich eine Seele. Und diesen Sound hätte ich nie erwartet.»

 

 

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Wie ein Pfeil im Wind
Knapp eine Autostunde südlich von Los Angeles findet in Los Alamitos Testfahrt Nummer zwei statt. Roland Sands ist weltbekannter Motorrad-Tuner. Was Hersteller von der Stange liefern, wird bei ihm zu leistungsstarken Einzelstücken. Zu seinen Kunden gehören Hollywood-Stars wie Mickey Rourke oder Red Hot Chili Peppers-Sänger Antony Kiedis. Ex-Rennfahrer und Designer Roland Sands ist sofort vom Äusseren des Hybrid-Sportlers angetan: «Ich mag die schnittige Form. Du kannst Dir richtig vorstellen, wie der Fahrtwind ungehindert hier durchpfeift», schwärmt er und deutet aufs aerodynamisch geformte Heck. Zusammen mit Leichtbau ist der Fabel-cw-Wert von 0,26 eine der Voraussetzungen für die gelungene Verbindung von Sport und Sparsamkeit im BMW i8.

 

Sands sieht sich selbst als eine Mischung aus PS-verliebtem «petrolhead» und einem grün angehauchten «early adaptor», der stets den letzten Schrei in Sachen Umwelt fahren will: «Kalifornien ist sehr strikt in Sachen Umweltschutz. Wenn man deshalb verantwortlicher mit der Welt umgeht, finde ich das sehr gut.» Besonders überzeugend sei am i8 für ihn der Sound, den der 1,5-Liter-Dreizylinder-Twinturbo im Heck und ein Soundgenerator erzeugen. «BMW hat da phänomenal gute Arbeit geleistet. Der i8 spricht das Herz an und kann dennoch sehr sparsam sein. Ich denke, da sollte sich E-Mobilität hin entwickeln.»

 

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Ein sauberes Alltagsgefährt für den grünen Kalifornier
Noch weiter als bei Sands klaffen bei den beiden deutschen Auswanderern Klaus Borrmann und Konstantin Mroncz Erwartung und Erfahrung auseinander. Vor der Testfahrt traut Autohändler, Corvette C6-Fahrer und Freizeit-Racer Borrmann aus Paramount dem i8 zwar einiges zu. Aber eigentlich kann er mit Hybrid- oder Elektroantrieb gar nichts anfangen. IT-Spezialist Mroncz aus dem Küstenort Huntington Beach wirkt sogar noch zurückhaltender: «Ich bin vor allem sehr skeptisch, ob das Zusammenspiel von Elektro- und Verbrennungsmotor funktioniert.» Umso grösser ist später seine Begeisterung: «Der Sound ist absolut geil. Wie der Dreizylinder die Gänge reinhaut, ist der Wahnsinn. Und der i8 geht gewaltig ums Eck herum, wirkt noch viel leichter als er ohnehin ist.» Im Gegensatz zu seinem 911er von 2003, der auf den schlechten Strassen rund um Los Angeles ungeeignet sei für jeden Tag, könne er sich den sauberen Sportwagen von BMW durchaus als Alltagsgefährt vorstellen. Klaus Borrmann ergänzt: «Das ist etwas für einen absolut grünen Kalifornier, der auch mal Bock hat, Feuer zu geben. Der kann sein Gewissen beruhigen und kann es trotzdem auch mal richtig krachen lassen.»

 

 

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Nur der Geruch nach Öl und Benzin fehlt
Es krachen zu lassen, ist die grosse Leidenschaft von Magnus Walker, mit seinen Dreadlocks bis zum Po hinunter und seiner 911er-Sammlung aus den 60er- und 70er-Jahren weltweit bekannt als «Porsche-Punk». Auch der Old Schooler zeigt sich überraschend offen gegenüber dem fremdartigen Männerspielzeug von BMW. Und nach ersten Fahrmanövern stellt er beeindruckt fest: «Der liegt wirklich sehr gut auf der Strasse. Das ist ein Spass-Auto, keine Frage!» Er vermisse zwar den Geruch seiner alten Porsches nach Öl und Benzin, schätze aber das spezielle Fahrgefühl im i8: «Das Auto ist auf unspektakuläre Art sehr schnell. Ob beim Beschleunigen, Bremsen oder in schnellen Kurven: Alles geschieht ohne jedes Drama.» Die Lenkung sei zwar manchmal etwas synthetisch, dafür aber bei schneller Gangart sehr präzise. Zu diesem Urteil kommt Magnus später auf dem kurvenreichen Angeles Crest Highway No. 2. Auf der Berg- und Talbahn lobt er besonders die Bremsen des Benzin-Elektro-Allradlers und abermals den Sound – vor allem, wenn der i8 selbstständig mit Zwischengas herunterschaltet. Fazit: «Der BMW i8 hat mich überrascht. Er ist schnell, kann aber auch sehr sparsam und rein elektrisch sehr leise sein. Und er ist ein bequemes Auto für jeden Tag.»

 

 

Fazit:
Sie lieben ihn alle!
Die Urteile der «Petrolheads» nach ihren Testfahrten im i8 klingen so, als könne der deutsche Hybrid-Sportwagen ein wahrer Verkaufsschlager sein im ebenso autoverrückten wie umweltbewussten Kalifornien. Auf dem Oldtimer-Treffen «Coffee & Cars» westlich von Long Beach erfahren wir: Bei entsprechend hoher Nachfrage könnten US-Händler zusätzlich zu den rund 140 000 Dollar Verkaufspreis einen kräftigen Aufschlag verlangen. Aber John Wakamatsu, den wir hier kennenlernen, erzählt uns ausserdem: «Wenn etwa einmal pro Monat ein neuer i8 beim Autohändler eintrifft, ist er am nächsten Tag gleich wieder weg.»

 

 

Technische Daten BMW i8 Benzinmotor
Preis ab 162 200 CHF
Hubraum 1449 ccm
Leistung 231 PS
Systemleistung
Drehmoment 320 Nm bei 3700/min
Antrieb Allrad
0 bis 100 km/h 4,4 s
Spitze 250 km/h (abgeriegelt)
Verbrauch 2,1 l/km
CO2 49 g/km
Aussenmasse 4689 x 1942 x 1298 mm
Ladevolumen 154 Liter

 

Technische Daten BMW i8 Elektromotor
Preis ab 162 200 CHF
Hubraum
Leistung
Systemleistung 362 PS
Drehmoment 250 Nm bei 3700/min
Antrieb Allrad
0 bis 100 km/h 4,4 s
Spitze 250 km/h (abgeriegelt)
Verbrauch 2,1 l/km
CO2 49 g/km
Aussenmasse 4689 x 1942 x 1298 mm
Ladevolumen 154 Liter

Fotos: Chris Tedesco