Opel spannt die Muckis und konzentriert sich wieder auf das Kerngeschäft. Der neue Astra Sports Tourer besitzt wieder alle Tugenden der alten Opel-Kombis, als die noch Caravan hiessen. Und schnittig sieht der neue auch noch aus.

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Weniger Gewicht für mehr Fahrspass
Der erste Eindruck: Schlanker ist er geworden, der neue Astra Sports Tourer. Nicht mehr so aufgedunsen wie der Vorgänger. Und windschnittig! Das bestätigt auch der Blick auf das Datenblatt. Ein cw-Wert von nur 0,272 ist aller Ehren wert. Weniger ist eben mehr. Das zählt vor allem für das Gewicht des neuen Sports Tourer. Auch wenn der Vorgänger wahrlich kein Leichtgewicht war: So ist es doch beeindruckend, dass es die Opelaner geschafft haben, das Gewicht des neuen Sports Tourer um bis zu 190 Kilogramm zu reduzieren. Alleine bei der Rohkarosse haben sie 85 Kilo weggefeilt, 50 Kilo beim Fahrwerk und hier und da noch das eine und andere Speckröllchen abtrainiert. Geholfen hat auch, dass der neue Astra Sports Tourer äusserlich kaum gewachsen ist. Trotzdem bietet der Kombi der Besatzung mehr Platz als der alte. Besonders spürbar ist der Zuwachs an Raum für die hintere Besatzung. Jetzt können sich auch Sitzriesen bequem in die Rückbank hineinlümmeln. Überhaupt haben die Opel-Entwickler viel Zeit und Hirnschmalz in die Sitzanlage einfliessen lassen. 10 Kilo leichter als beim Vorgänger bieten die vorderen Plätze neben einer Beheizung auch Features wie eine Ventilation und eine Massagefunktion. Die fällt im Vergleich zu den (teureren) Mitbewerbern allerdings etwas grobkörnig aus.

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Luxus und die passende Schuhfarbe
Der neue Kompakt-Kombi bietet weitere Luxus-Features, die in dieser Klasse noch nicht selbstverständlich sind. Die sensorgesteuerte Kofferraumklappe öffnet und schliesst per Fussbewegung unter der Heckstossstange. Allerdings glauben Kollegen bei der Testfahrt festgestellt zu haben, dass der Sensor auf schwarze Schuhe besser reagiert. Wird hier der neue Astra-Kombi zum Trendsetter bei der Schuhfarbe der Opel-Fahrer? Das aus 8 Leuchtelementen bestehende Matrix-LED-Licht bietet eine sehr gute und bedarfsgerechte Ausleuchtung. Sie hat aber noch einen weiteren Vorteil: Im Falle eines Defektes oder Schadens sind die Ersatzteilpreise niedriger als bei einer Bi-Xenon-Lichteinheit. Das Interieur ist auch wieder ganz Opel-typisch klar und nüchtern gezeichnet, ohne optischen Schnickschnack, der nur Verwirrung stiften würde. Allerdings merkt man auch hier, dass die Kosten-Controller das letzte Wort hatten. Bei den verwendeten Materialien und vor allem der Haptik der Kunststoffe sind wir eben wieder in der Kompaktklasse angesiedelt. Ungeachtet aller Luxus-Elemente, die Opel im Sports Tourer anbietet. Die Rücksitze sind auf Wunsch jetzt auch beheizbar, eine Novität in diesem Segment. Die 40:20:40 teilbare Rücksitzlehne lässt sich auf Wunsch vom Kofferraum aus elektrisch umklappen, praktisch und fingernagelschonend. Auch der Kofferraum verzeichnet ein Plus von 80 Litern im Vergleich zum Vorgänger. Damit ist er beim Platzangebot endlich auf Augenhöhe der Konkurrenz mit dem Namen Golf. Immer noch praktisch ist auch das sogenannte Flex-Organizer-System, mit dem sich Gepäckstücke im Kofferraum fixieren lassen.

Mehr Leistung mit weniger Hubraum!
Die Motorenpalette der in der Schweiz lieferbaren Modelle reicht von 100 bis zu 200 PS. Die Basisausstattung stellt der Astra mit einem 100 PS starken 1,4-Liter-Benziner für 22 100 Franken. Für den Einstieg in die Astra-Diesel-Klasse, dem 110 PS starken Astra 1.6 CDTI, muss der Kunde 26 600 Franken anlegen. Top of the range stellt der neue 1,6-Liter-Benziner, der von zwei Turboladern unter Druck gesetzt wird und beachtliche 200 PS leistet. Noch beeindruckender ist allerdings der harmonische und kraftvolle Drehmomentverlauf des verhältnismässig kleinen Triebwerks. Quasi schon ab Standgas schiebt der Vierzylinder den Kombi mächtig vorwärts. Hier kommt, wenn man das Gaspedal durchdrückt, ein sportliches Fahrgefühl auf, auch wenn das nicht dem Wesen des Sports Tourers entspricht. Eben ein richtiger Kombinationskraftwagen. Der 1,6-Liter-Biturbo nutzt geschickt eine Nische im Modellangebot. Denn einen Golf Variant mit einem 200-PS-Benziner gibt es schlicht nicht. Bei den Wolfsburgern hört die Leistungspalette bei den Benzinern bei 150 PS auf und beginnt erst wieder beim 300 PS starken Golf R Variant. Der ist dann aber gleich rund 20 000 Franken teurer als der preisbewusst gestaltete aber dennoch sportlich agierende Opel. Auch das sechs Gänge zur Verfügung stellende Handschaltgetriebe passt gut zu dieser Konfiguration. Wer dennoch die Sechsstufen-Automatik haben will, der muss beim Motor auf den 1,4 Liter ECOTEC mit 150 PS downgraden. Trotz aller sportlichen Fahrleistungen (0–100 in 7,7 Sekunden und eine Spitze von 235 km/h) setzt das Fahrwerk nicht auf übertriebene Härte. Wie auch bei der Limousine kann der Kunde aus einem grossen Angebot an Assistenzsystemen wie Verkehrsschild-Erkennung, Parkassistent oder Spurhaltehelfer wählen. Der Spurhalte-Assistent arbeitet jetzt mit einer Gegensteuerung. Ob der 200 PS starke Biturbo wirklich mit dem angegebenen Verbrauch von nur 6,2 Litern auskommt, konnten wir auf der kurzen Testfahrt nicht überprüfen.

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Historie
Opel hat eine lange Historie bei den kompakten Kombis und sieht sich als Pionier in diesem Segment. Traditionell hiessen die Kombi-Versionen von Kadett, Rekord und Co. Caravan, das sich aus dem Wortspiel Car and Van zusammensetzt.

 

Technische Daten Opel Astra Sports Tourer 1.6 Ecotec
Preis Ab 32 200 Franken
Hubraum 4-Zyl. Biturbo, 1,6 Liter
Leistung 200 PS bei 4700 U/min
Drehmoment 280 Nm bei 1650 U/min
Antrieb Frontantrieb
0 bis 100 km/h 7,7 s
Spitz 235 km/h
Verbrauch 6,2, l/100 km (Werksangabe)
CO2 142 g/km (Werksangabe)
Aussenmasse (LxBxH) 470 x 187 x 1510 cm
Ladevolumen 540–1630 Liter
Markteinführung 2016
Konkurrenten Renault Megane Grandtour TCe 220 S&S
(ab 30 400 Franken) , Skoda Octavia Combi 2.0 TSI (34 760 Franken)
Fazit
Endlich ist bei Opel wieder Schwung in der Bude. Der Astra, das frischgewählte «Car of the year 2016», macht auch als Sports Tourer richtig Laune. Er ist pfiffiger als der Golf, wirkt aber nicht so wertig, besonders im Innenraum.

Vor- und Nachteile

  • Agiles Fahrverhalten, hohe Qualitätsanmutung

  • Hohe Einstands- und Zubehörpreise, schlechte Übersichtlichkeit