Wasserstoff scheint langfristig gesehen der Treibstoff der Zukunft zu sein. Da sind sich Fahrzeug-ingenieure und Zukunftsforscher einig. Nur, so richtig vorwärts geht es bisher in der Fahrzeugtechnik nicht. Jetzt wagt eine kleine britische Firma einen Vorstoss und zeigt mit dem Riversimple Rasa: So könnte die schöne neue Welt der Mobilität aussehen.

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Auf den ersten Blick wirkt der Riversimple Rasa wie das Einkaufsmobil der schönen, ausserirdischen Leeloo im Film «Das fünfte Element», gespielt von Milla Jojovich. Die schöne Rothaarige schwingt sich mit ihren orangefarbenen Hosenträgern aus den geöffneten Flügeltüren des kleinen Zweisitzers und zeigt ihren Multipass. Ultrafuturistisch mit einem Hauch Retro, wie der Look des Films selbst. Schöner Gedanke, aber fiktiv. Der Rasa dagegen ist real bestückt mit einer geräuschfrei arbeitenden Brennstoffzelle und fährt sauber und emissionsfrei Richtung Zukunft. Wenn das Konzept nicht vorher falsch abbiegt in eine Sackgasse. Wie schon viele hoffnungsfrohe Zukunftsträger davor.

Hoch entzündlich aber sauber

Dabei sitzt in dem kleinen Flügeltürer gar keine besonders neue oder innovative Technik. Brennstoffzelle, Radnabenmotoren, Hochleistungskondensatoren und ein mit Carbon verstärktes Monocoque. Alles schon dagewesen und Stand der Technik, aber im Riversimple scheinbar erstmals sinnvoll kombiniert. So bringt der Rasa dank konsequenter Leichtbauweise nur 520 Kilo auf die Waage. Die Brennstoffzelle leistet 8,5 Kilowatt und gibt die Leistung über Hochleistungskondensatoren an vier kleine Elektromotoren ab. Diese sitzen platzsparend in den Rädern des Rasa. Per Rekuperation wird beim Bremsen zusätzlich Energie gewonnen. Die Entwickler versprechen mit nur 1,5 Kilogramm Wasserstoff eine Reichweite von bis zu 480 Kilometern. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei etwa 100 km/h, genug für den Stadt- und Pendelverkehr. Das Tollste aber am Rasa ist das, was hinten rauskommt. Denn als Abgas entweicht lediglich Wasserdampf.

 

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So funktioniert die Brennstoffzelle (sagt Wikipedia)

Eine Brennstoffzelle ist eine galvanische Zelle, die die chemische Reaktionsenergie eines kontinuierlich zugeführten Brennstoffes und eines Oxidationsmittels in elektrische Energie wandelt. Im Sprachgebrauch steht Brennstoffzelle meist für die Wasserstoff-Sauerstoff-Brennstoffzelle. Die Brennstoffzelle ist kein Energiespeicher, sondern ein Wandler. Die Energie zur Stromproduktion wird in chemisch gebundener Form mittels eines Brennstoffes zugeführt, wie Wasserstoff oder Methanol. Eine einfache Brennstoffzelle wurde schon 1838 von Christian Friedrich Schönbein erstellt, indem er zwei Platindrähte in Salzsäure mit Wasserstoff bzw. Sauerstoff umspülte und zwischen den Drähten eine elektrische Spannung bemerkte. Ein Jahr später veröffentlichte Schönbein diese Ergebnisse. Sir William Grove schrieb noch im selben Jahr eine Notiz über das sogenannte «batterisierte Knallgas». Zusammen mit Schönbein erkannte er die Umkehrung der Elektrolyse und das Erzeugen von Strom in diesem Phänomen und wandte diese Erkenntnisse in mehreren Versuchen an. Recht bald war man von den Brennstoffzellen regelrecht begeistert. Man hoffte, dadurch Kohle als Brennstoff und Dampfmaschinen zu ersetzen. 1870 schrieb Jules Verne über die Brennstoffzelle: «Das Wasser ist die Kohle der Zukunft. Die Energie von morgen ist Wasser, das durch elektrischen Strom zerlegt worden ist. Die so zerlegten Elemente des Wassers, Wasserstoff und Sauerstoff, werden auf unabsehbare Zeit hinaus die Energieversorgung der Erde sichern.» Verne, der Verfasser von Science-Fiction-Romanen wie «20 000 Meilen unter dem Meer» und «Die Reise zum Mittelpunkt der Erde» war ein weitsichtiger Mann. Doch zuerst schossen die Ölbohrtürme aus der Erde. Der Ölboom, dessen Ende wir jetzt erleben, verdrängte die Brennstoffzelle. Doch die Zeit für Wasserstoff ist jetzt reif. Jule Verne, der Visionär, wäre sicherlich der gleichen Meinung.

 

 

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Nicht kaufen, sondern leasen

Brennstoffzellentechnik im Auto ist teuer, weil es noch keine Massenfertigung gibt. Was auch noch fehlt, ist ein durchgängiges Versorgungsnetz. In der Schweiz ist momentan die erste öffentliche Wasserstofftankstelle in Planung (Stand 03/2016). Riversimple arbeitet deshalb mit einem speziellen Geschäftsmodell. Kunden können den Rasa für drei Jahre leasen. Die monatliche Leasinggebühr enthält die Kosten für Reparaturen, Wartung, Versicherung und sogar für den Kraftstoff. Zum Ende der Vertragszeit geben die Kunden ihren Wagen zurück oder tauschen ihn gegen ein neues Modell ein. Die Leasing- und Betriebskosten des Rasa sollen auf dem gleichen Niveau eines VW Golf Diesel liegen. Riverside rechnet mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von bis zu 15 Jahren. Das wäre etwa ein Drittel mehr, als die durchschnittliche Lebensdauer eines herkömmlichen PKW. Zunächst werden 20 Fahrzeuge in einem Feldversuch laufen. Ab 2018 sollen dann in Wales bis zu 5000 Fahrzeuge jährlich produziert und verleast werden.

Mehr Infos unter: http://riversimple.com/