Die Cupra war eine Fruchtbarkeitsgöttin der Picener und Umbrier. Zwei Völker, die im ersten Jahrtausend v. Chr. Mittelitalien besiedelten. Nur weiss das heutzutage kaum mehr jemand. Heute identifiziert man mit dem Begriff Cupra die potenten Modelle von Seat. Dieser Name leitet sich aber aus den Wörtern Cup und Racing ab. Der jüngste ist der Seat Ibiza Cupra mit 192 PS.

Heisser Katalane mit germanischen Genen!
Genau vierzig Jahre ist es her, als der Hersteller den ersten in Spanien entwickelten Seat auf den Markt gebracht hat. Wobei der Seat 1200 Sport kein komplett neu entwickeltes Auto war. Die Technik spendet 1975 der Lizenzpartner Fiat. Heute ist das bei Seat nicht viel anders. Denn auch beim neuen Ibiza Cupra greift Seat beim Mutterkonzern Volkswagen in das Technikregal. Bodengruppe, Motor, Getriebe und Achsen spendet der VW Polo GTI.

Ansonsten gehen aber die Spanier einen eigenen Weg. Optisch hat sich im Vergleich zum Normalo-Ibiza wenig getan, das heisst Falten, Entschuldigung, Lichtkanten an den Karosserie-Flanken sind immer noch in. Die Cupra-Version des Ibiza kommt nicht als krachiger Boy-Racer mit viel Renn-Firlefanz-Optik daher, sondern ist nur dezent aufgehübscht. Vorne im Grill ein Cupra-Signet und serienmässige Bi-Xenon-Scheinwerfer, dezent wirkende 17-Zoll-Räder in Schwarz und ein mattschwarzer Diffusor mit einer trapezförmigen Auspuffblende, das war es im Grossen und Ganzen. Die Zeit der dicken Endrohre und fetten Schürzen scheint vorbei zu sein, gottlob. Ein Mehr an Optik bietet das optional erhältliche Aero Pack für rund 1700 Franken Aufpreis. Der New Ibiza präsentiert sich im Innenraum wertiger als der Vorgänger. Die schwarz und weiss abgesetzten Sitze geben sich reisetauglich bequem und bieten auch bei sportlicher Fahrweise noch genügend Seitenhalt. Das Cockpit mit dem aus dem Leon Cupra stammenden, unten abgeflachten Sportlenkrad bietet eine hervorragende Übersichtlichkeit und wirkt nicht überladen, wie bei manchen Konkurrenten. Einen grossen Schritt hat Seat auch in Sachen Konnektivität gemacht. Nahezu jedes Smartphone lässt sich umfangreich mit dem Ibiza verknüpfen. wheels! hat das schon in einem Testtelegramm zum New Ibiza geschrieben (nachzulesen hier).

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Seats geheimnisvolle Produktformel
Stolz verkünden die Seat-Verantwortlichen, dass der neue Ibiza Cupra nach der «Leon-Produktformel» entwickelt wurde. Der Seat Leon gilt schliesslich als das Erfolgsmodell von Seat. So konstatieren die Produktentwickler, dass nach dieser Formel der neue Ibiza Cupra im Vergleich zum Vorgänger sowohl 10 Prozent komfortabler als auch 10 Prozent sportlicher geworden ist. Die bestmögliche Nutzung für den Alltag UND aber die Wahl, möglichst sportlich und dynamisch zu fahren. Das macht neugierig. Zeit einzusteigen und Gas zu geben. Gleich beim Losfahren bemerkt man schon den kräftigen Antritt der 1,8-Liter-Turbo-Maschine bei niedrigen Drehzahlen. Auch wenn die 192 PS auf dem Papier beeindrucken. Hier spielt das hohe Drehmoment von 320 Newtonmetern die Rolle. 70 Newtonmeter mehr als der Vorgänger und auch als der Polo GTI, der ja auf den gleichen Motor zurückgreift. Aha, wie das? Der Grund: das Getriebe! Das im Polo installierte DSG-Getriebe verkraftet weniger Drehmoment als das manuelle 6-Gang-Getriebe im Cupra. Zudem ist dieses nicht so schwer wie das DSG. Leider ist der Schalthebel nicht besonders präzise geführt bei der ansonsten gut abgestuften 6-Gang-Schaltbox. Beim flotten Gangwechsel muss man sich sehr auf die korrekte Führung des Schalthebels konzentrieren. Trotzdem ist hier Sport angesagt, der Komfort kommt aber nicht zu kurz.

Dank der präzisen, elektrisch unterstützten Lenkung und der guten Bremsen lässt man den potenten Spanier dann auch gerne von der Leine. Auch das Fahrwerk macht Freude, sogar auf den oft mit kleinen Schlaglöchern versehenen Landstrassen in Katalanien, wo wir den Cupra fahren durften. Das serienmässige CUPRA Drive Profile lässt dem Fahrer die Wahl zwischen einer komfortablen und einer sportlichen Abstimmung. Wie flott man mit der Sport-Abstimmung um die Ecken stechen kann, sehen Sie hier im Video. wheels!-Redaktor Robert Tomitzi hatte viel Spass auf einer 6,5 Kilometer langen abgesperrten Landstrasse.

Das elektronische Quer-Sperr-Differential reduziert spürbar die Tendenz zum Übersteuern. Allerdings greift die Traktionskontrolle auch ausgeschaltet ein. Spürbar später zwar, aber trotzdem nimmt sie dem Cupra damit an Fahrdynamik im Grenzbereich. Im serienmässigen Sicherheitspaket ist zudem noch ein ESP samt Berganfahr-Assistent, eine Multikollisionsbremse und eine Müdigkeits-Warnung enthalten. So ist man gut gerüstet für Sport und (Langstrecken-)Komfort. Fährt man ruhig und gelassen über Land, kommt man möglicherweise mit einer 6 vor dem Komma aus. Bewegt man den Cupra artgerecht, sollte man aber mit 8 bis 9 Litern Verbrauch rechnen.

Technische Daten Seat Ibiza Cupra
Preis ab 23 950 Franken
Hubraum 4-Zylinder Turbo Benzin, 1,8 Liter
Leistung 192 PS bei 4300 U/min
Drehmoment 320 Nm bei 1450 U/min
Antrieb Frontantrieb, Sechsgang manuell
0 bis 100 km/h 6,7 s
Spitze 235 km/h
Verbrauch 6 l/100 km (Werksangabe)
CO2 139 g/km (Werksangabe)
Markteinführung Dezember 2015
Konkurrenten VW Polo GTI (ab 24 700 Franken);Renault Clio RS 1.6 (ab 26 600 Franken)
Fazit
Wieder mal ein flotter Latino von Seat, der hinterm Steuer für gute Laune sorgt. Der Ibiza Cupra leistet sich kaum Schwächen und geht für einen kleinen Kompakten richtig potent zu Werke. Und er kann wirklich beides: Sport und Komfort. Insofern wird er seiner Namensvetterin, der italienischen Göttin der Fruchtbarkeit und Liebe, gerecht. Ausserdem klingt das auch besser als Seat Ibiza Aphrodite.

Mehr Infos unter www.seat.ch