Der Seat Leon ST Cupra ist sehr schnell und kann dabei noch viel Gepäck schlucken. Ideal für einen sportlichen Schnelltransport über weite Strecken.

Der Sportwagen für das ganze Leben
Auf den ersten Blick ein Kombi. Ein sehr schöner zwar, mit knackigen Seitenlinien, cooler Lichtsignatur und in einem sehr schönen Rot. Aber eben ein Kombi, der perfekte und vernünftige Alltagbegleiter. Vernünftig? Denkste. Der Seat ST Cupra ist ein Auto «für Spass am Leben und an Leistung», wie es die Presseabteilung von Seat auf den Punkt bringt. Das unterschreibe ich sofort: Dieser Sportkombi ist das perfekte Auto für Menschen, die ein praktisches Auto brauchen, aber lieber ein sportliches möchten und sich keinen Zweitwagen leisten wollen. Denn der Basispreis für den fünftürigen Kombi beträgt 43 200 Franken und ist damit nicht unerreichbar hoch. Der sportliche Kombi kommt mir diese Woche sehr gelegen, ich bin viel unterwegs, muss mehrere Hundert Kilometer auf schweizer und französischen Strassen abspulen, hab ordentlich Gepäck dabei und muss zum Schluss auch noch nach Dijon auf die Rennstrecke. Der perfekte Praxistest für den schnellen Spanier. Sein Gepäckraum schluckt 587 Liter. Da passen mein Koffer, mein Rennstrecken-Helm und meine Fotoausrüstung problemlos rein. Man könnte ihn sogar noch auf 1470 Liter vergrössern bei umgeklappter Sitzbank. Echt gut für einen Sportler.

Mit Sack und Pack düse ich los Richtung Zürich Flughafen. Da kommen die Langstreckenqualitäten dieses Fahrzeugs zur Geltung: Die adaptiven Stossdämpfer sind im Modus Komfort schön schluckfreudig. Ich stelle den serienmässigen Tempomat ein und siehe da, er bremst sogar von alleine! Diese automatische Distanzregelung kostet allerdings 740 Franken extra. Ich muss mich also lediglich auf das Verkehrsgeschehen und die Geschwindigkeitslimiten konzentrieren, der Seat hält die Geschwindigkeit und den Abstand zum Vordermann. Drinnen ist es kuschlig ruhig, es sind kaum Wind- oder Abrollgeräusche zu hören, ganz zum Vorteil für den Musikhörgenuss, der von meinem Handy via Bluetooth über 8 Lautsprecher verbreitet wird. Im Handschuhfach sind zudem ein USB-Anschluss, ein CD-Player und ein SD-Kartenleser untergebracht. Ich könnte ewig weiterfahren, doch nach etwas über einer Stunde bin ich mit diesem leistungsstarken Spanier schon am Ziel.

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Auch auf der Rennstrecke kann er sich zeigen
Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Dijon. Hier können die 280 PS dieses Sportkombis so richtig ausgekostet werden. Der 2-Liter-Turbobenziner reagiert schnell, ohne Turboloch und bewegt die 1440 kg scheinbar mühelos. Die Kurven meistert der Fronttriebler bravourös: Dank der Differentialsperre an der Vorderachse krallt er sich auch in engen Kurven regelrecht in den Asphalt und hat stets eine super Bodenhaftung. Die adaptive Fahrwerksregelung, die auf der Autobahn noch auf Komfort stand, erlaubt im Modus Cupra absolut keine Seitenneigung und strafft das Fahrwerk wie bei einem Sportwagen. Ausserdem wird die Gasannahme sensibler und der Soundaktor unterstützt den Klang des Turbomotors zusätzlich. Die Zielgerade auf dem Circuit Dijon-Prenois reicht nicht ganz aus, um die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h zu erreichen. Doch knapp 200 km/h liegen drin, bevor ich vor der Rechtskurve wieder voll in die Eisen steigen muss. Die Cupra-Bremsanlage mit den rotlackierten Bremssätteln verzögert knallhart. Auf den folgenden zwei leichten Kurven reicht dem ST Cupra eine leichte Lenkbewegung; die serienmässige Progressivlenkung arbeitet sehr präzise und ist im Modus Cupra voll auf Sport eingestellt. Dank des progressiven Übersetzungsverhältnisses wird das Fahrzeughandling bei hohen Geschwindigkeiten verbessert, was auch die Kontrolle erhöht. Ich fühle mich wohl am Steuer dieses Kombis. Rennstrecken-Test bestanden! Ich steige aus und rieche heisse Reifen.

Dank der Differentialsperre an der Vorderachse krallt er sich auch in engen Kurven regelrecht in den Asphalt und hat stets eine super Bodenhaftung.

Bevor ich mich auf meine Rückreise durch den schönen französischen Jura mache, sehe ich mir die rote Rakete noch einmal genauer an. Punkto Design kann man den Spaniern nichts vormachen. Die Linien im Blech sind scharf, und die Silhouette wirkt langgestreckt. Schön sind auch die grossen 19-Zoll-Leichtmetallräder mit den roten Bremssätteln. Die neue Front mit den grossen Lufteinlässen ist auch sehr beeindruckend. Den Hintern ziert ein kleiner Heckspoiler und zwei grosse Abgasrohre. Der Innenraum ist in schlichtem schwarz gehalten, übersichtlich und funktional. Das Cupra-Logo ziert das Lenkrad und die Mittelkonsole. Ausserdem gibt es einen grossen Touchscreen, Sportpedalerie, Sportsitze und sonst alles, was man so von einem neuen Auto dieser Preisklasse erwartet. Das Ambientelicht in der Innentür lässt sich farblich ändern. Im Modus Cupra leuchtet es feurig rot. Passt super zu dieser roten Rennrakete, die sich auf meiner Reise mit 8,2 Liter pro 100 km begnügt hat. Ich cruise Überland gemütlich durch den französischen Jura Richtung Bern. Auch das meistert er sehr gut.

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Fotos: Philip Aebischer