Mit dem 2015 lancierten Tivoli etabliert sich der koreanische Hersteller SsangYong im Segment der preisgünstigen Kompakt-SUV. Für das Modelljahr 2016 ist der Tivoli mit einem Diesel und Allradantrieb erhältlich.

Hübsch, aber unbekannt
Ssang-was? fragt mein Vater, als ich ihm den hübschen roten Testwagen präsentiere. Ältere Generationen können oft nichts mit dem exotischen Namen der koreanischen Marke anfangen. Dabei gibt es schon seit Mitte der neunziger Jahre SsangYong-Fahrzeuge in Europa. Aber erst der Tivoli wird so richtig wahr- und auch ernstgenommen. Ältere SsangYong-Typen wie Rexton und Rodius galten als exotisch skurril und nicht gerade als das, was man einen hübschen Wagen nennen könnte. Der Tivoli hingegen wirkt vom Exterieur-Design harmonisch und gefällig. Die edelste Version Sapphire kommt in der Farbe flaming red jugendlich frech und frisch daher. Mit den 18 Zoll grossen Diamond Cut-Leichtmetallrädern wirkt er richtig erwachsen. Gleich ein paarmal wurde der Tester an der Strasse oder auf der Tankstelle angesprochen, was das denn für ein Auto wäre und was es kostet. Das Interesse relativiert sich wieder etwas beim Blick auf das Interieur. Schwarzer Kunststoff prägt die Armaturenlandschaft. Die ist zwar formal ansprechend gestaltet, aber das Material wirkt eher einfach und billig. Und das obwohl wir in der höchsten Ausstattungslinie Sapphire Platz nehmen dürfen. Die bietet wenigstens serienmässig Annehmlichkeiten wie Ledersitze, eine Zwei-Zonen-Kimaautomatik ein beheizbares Lenkrad und Vordersitze und ein Supervision-Armaturenbrett mit sechs einstellbaren Farben und einem 7-Zoll-Touchscreen. Das Infotainment-System mit dem integrierten Tom-Tom-Navi ist zudem einfach und intuitiv bedienbar, wenn auch nicht nach dem neuesten Stand der Technik. Platz bietet der Tivoli für sein Segment überdurchschnittlich viel, auch im Kofferraum (423–1150 Liter). Ein Nissan Qashqai mag schicker aussehen, engt aber mehr ein.

Harmonischer aber lauter Diesel
Der Motor dieselt kurz nach dem Start sehr stark im Kaltlauf. Das Aggregat beruhigt sich etwas, wenn es seine Betriebstemperatur erreicht hat. Ein Leisetreter ist er aber nicht. Kraftvoll gleichmässig, aber ohne den bei anderen Turbodieseln oft nervigen Drehmomentschub, geht es im Tivoli vorwärts. Die 6-Stufen-Automatik findet für jede Fahrgelegenheit den passenden Gang und harmoniert gut mit dem Diesel-Motor. Diese Motor- und Getriebekombination gefällt uns erheblich besser als der im Sommer gefahrene Tivoli mit dem 1,6-l-Benzinmotor und 6-Gang-Schaltgetriebe. Obwohl der Benziner nominell 13 PS mehr leistet, fühlt man sich im Diesel-Tivoli souveräner motorisiert. Das Fahrwerk rollt bei geringen Geschwindigkeiten etwas trocken ab und Stösse, etwa von Querfugen, werden nicht besonders gut weggefiltert. Das verschwindet aber bei höheren Tempi. Das von SsangYong Smart Steer genannte System bietet dem Fahrer drei unterschiedliche Lenkmodi – Norma, Komfort und Sport. Für zarte Hände ist die Komfort-Einstellung besonders hilfreich bei Parkmanövern. Die Bodenfreiheit von knapp 17 Zentimeter und die für SUVs hohen Böschungswinkel (vorne 20,5 Grad, hinten 28 Grad) sorgen zusammen mit dem Allradantrieb für eine gute Offroad-Tauglichkeit. Im Strassenbetrieb ist der Tivoli fast immer im Frontantriebsmodus unterwegs. Das wirkt sich positiv auf den Verbrauch aus. Die Werksangabe von 5,9 Litern im kombinierten Verbauch haben wir bei der Testfahrt um einen knappen Liter überschritten. Das geht in Ordnung, ein Verbrauchswunder ist der Diesel-Tivoli aber nicht.

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Technische Daten SsangYong Tivoli e-XDi Sapphire 4WD
Preis ab ab 26 900 Franken
Hubraum 4-Zyl. Turbodiesel, 1,6 Liter
Leistung 115 PS bei 3400 U/min
Drehmoment 300 Nm bei 1500 U/min
Antrieb Allradantrieb
0 bis 100 km/h 13,3 s
Spitze 172 km/h
Verbrauch 5,9 l/100 km (Werksangabe)
6,7 l/100 km (Praxisangabe)
CO2 156 g/km (Werksangabe)
Aussenmasse 420 x 179 x 159 cm
Ladevolumen 423–1150 Liter
Markteinführung 2015
Konkurrenten Skoda Yeti Outdoor (ab 24 200 Franken); Mitsubishi Outlander (ab 24 999 Franken); Suzuki Vitara (ab 20 990 Franken)

Fazit
Der SsangYong Tivoli Diesel hat seine kleinen Schwächen, wie den etwas unkultivierten Dieselmotor und das lieblos wirkende Interieur. Die relativieren sich aber schnell bei einem Blick auf die Preislisten der Mitbewerber. Auch die Verarbeitungsqualität kann überzeugen. Hart rechnende SUV-Interessenten können deshalb mit dem koreanischen Allradler durchaus glücklich werden.

Vor- und Nachteile

  • Gute Ausstattung
  • günstiger Preis
  • 5 Jahre/100 000 km Garantie

  • Brummiger Motor

Fotos: Mitch Haussener/Ssangyong