Ist der skurrile Dreiradler aus Utah/USA nun ein Trike, ein Threewheeler oder ein Hot Rod auf drei Rädern? Weder noch! Der amerikanische Hersteller hat für den Vanderhall Laguna gleich eine neue Fahrzeuggattung erfunden: Das Autocycle!

Drei Walzen reichen!
Motorisierte Spasskanonen auf drei Rädern sind seit ein paar Jahren wieder gross im Kommen. Sogar die britische Sportwagenmanufaktur Morgan hat eine jahrzehntealte Tradition wiederentdeckt und nach über 50 Jahren Pause wieder einen Threewheeler ins Programm genommen. Dabei gibt es bei motorisierten Dreirädern die verschiedensten Interpretationen bei der Anordnung der Räder, Antriebsart und Sitzposition:
Can-Am Spyder F3: Zwei Räder vorne, Motorrad-Sitzposition, Antrieb hinten.
Slingshot Polaris: Zwei Räder vorne, Auto-Sitzposition, Antrieb hinten.
Klassisches Trike: Zwei Räder hinten, Motorrad-Sitzposition, Antrieb hinten.
Vanderhall, ein kleiner Hersteller aus Utah/USA liefert eine neue Variante: Zwei Räder vorne, Auto-Sitzposition, Frontantrieb.

Quasi ein puristischer Opel Corsa, der hinten mit nur einem Rad auskommt. So unpassend ist der Vergleich gar nicht. Denn die Antriebseinheit, ein 1,4 Liter kleiner Turbovierzylinder, stammt aus Rüsselsheim. Im nur rund 700 Kilo leichten Dreirad wird der ursprünglich 150 PS starke Turbo auf 200 Pferdchen hochgepusht. Geschaltet wird über ein 6-Gang-Getriebe mit Paddle Shift am Lenkrad. Auch sonst liefert General Motors, der Mutterkonzern von Opel, Teile für das Dreirad. Ansonsten besitzt der kleine Roadster rennwagenmässige Anleihen: Die Technik sitzt in einem Monoquoque aus Aluminium, Bauteile der Karosse werden in Carbon Fiber gebacken, und die Federung vorne wird über Pushrods geführt.

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Catch me if you can!
In Verbindung mit dem niedrigen Kampfgewicht reicht das für supersportwagenähnliche Fahrleistungen. Von null auf Tempo 100 pfeilt sich der Retro-Rod in nur 4,5 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist zwar auf 220 km/h begrenzt, aber auf engen und kurvigen Strässchen dürfte einem gut gefahrenen Vanderhall weder ein aktueller BMW M3 noch ein übermotorisiertes Superbike folgen können. Das prognostiziere ich jetzt einfach mal. Das niedrige Gewicht von nur 700 Kilo und ein rennwagenmässig flacher Schwerpunkt sind die grossen Vorteile des Vanderhall. Und natürlich die im Verhältnis zum Gewicht überbreiten Reifen der Dimension 235/35Z R19 (2x vorne) und 315/30Z R20 (1x hinten).

Auch sonst präsentiert sich der puristisch wirkende Dreikant-Bolide gut ausgestattet. Ledersitze, Klima-Automatik, beheizbare Sitze und ein Not-Hardtop machen das Vanderwall-Heizen erträglich, wenn der Wettergott die Sonne nicht angestellt hat.

Ab Mai gehen die ersten ausgelieferten Fahrzeuge in den USA an die Kunden. Vanderhall-Chef Steve Hall und seine Mitarbeiter haben eine Kapazität, um bis zu 250 Autocycles jährlich zu produzieren. In den USA kostet der Laguna ab 77 000 Dollar. In Europa dürfte das Kleinserien-Mobil wohl nicht Laguna heissen. Renault könnte etwas dagegen haben.

 

Technische Daten Vanderhall Laguna
Preis ab 77 000 Dollar (in USA)
Hubraum 4-Zylinder Benzin, 1,4 Liter
Leistung 200 PS
Drehmoment 200 Nm bei 4300 U/min
Antrieb Frontantrieb, Sechsgang Paddle Shift
0 bis 100 km/h ca. 4,5 s
Spitze 220 km/h (abgeriegelt)
Markteinführung Mai 2016 in USA
Konkurrenten Can-Am Spyder F3 (ab ca. 24 600 Franken)
Caterham Seven S3 (ab ca. 50 000 Franken)
Fazit
Mal einen flotten Dreier geniessen, warum nicht? Der Vanderhall Laguna hat alle Anlagen dazu, dass man auch mit drei Rädern grossen Fahrspass puristisch erlebt. Dazu gefällt mir das Hot-Rod-Retro-Design besser als der Kampfstern-Galactica-Look des Polaris Slingshot. Preislich agiert Vanderhall-Chef Steve Hall ziemlich preisbewusst. Schon deshalb dürfte ein dreirädriger Laguna in Europa die grosse Ausnahme bleiben. Vierrädrige gibt es ja schon genug.

Mehr Infos unter www.vanderhallusa.com

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