Fahrer von Oldtimern sind allgemein als gesellige Menschen bekannt. Auf der Kunsteisbahn in Zürich treffen sich Besitzer von Classic Cars und Interessierte regelmässig zum Stelldichein. wheels! mischte sich mit dem hauseigenen Klassiker unter das Old-School-Volk.

Es gibt verschiedenste Spielarten von Autotreffen. Oldtimerrallies von A nach B und wieder zurück nach A. Veranstaltungen, für die nur eine bestimmte Klientel oder Markengilde Zugang haben oder Mammut-Events, die bis über eine Woche gehen. Man hat die Auswahl, aber auch einen entsprechenden Aufwand. Christoph Lehmann von der  EFG Dolder Classics in Zürich dachte da ganz einfach: Warum nicht ein einfaches, regelmässiges Zusammentreffen für alle Oldie-Fans, nur für ein paar Stunden am Sonntag, unkompliziert und ohne grossen Aufwand. Man fährt zu einem wohlbekannten Treffpunkt mit seinem geliebten Schätzchen und freut sich mit Gleichgesinnten auf ein Schwätzchen. Das reimt sich, und was sich reimt, ist gut, sagte schon Pumuckl. Die grösste Eisbahn Europas auf dem Adlisberg bietet die perfekte Kulisse. Für Verpflegung wird natürlich auch gesorgt, und wer sich beim Betrachten der erotischen Karosserielinien gar zu erhitzt, darf sich kostenfrei im anliegenden Freibad abkühlen.
Nach ein paar Stunden setzt man sich wieder in das von vielen bewunderte Automobil, fährt nach Hause und kann den Rest des Sonntags gepflegt mit der Familie verbringen.

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Diskount zwischen Nobelware
Das müssen wir uns als oldieaffine Schreiber anschauen, sind aber mit dem Blick auf den Testwagenfuhrpark ernüchtert. Ein Citroën DS 3 Cabrio oder Ford Mondeo Kombi passen da nicht so recht ins Retrobild. Das wäre ja, als würde man im Techno-Rave-Outfit zu «La Bohème» gehen. Dann muss eben der hauseigene Veteran ran. Der 82er Lancia Beta HPE hat im Dezember hochoffiziell den Veteranenstatus erhalten und darf sich zurecht als Klassiker fühlen. Platz genug für den Fotografen samt Equipment bietet er auch noch. Auf der Einfahrt zum Gelände allerdings kommt beim Lenker etwas Unwohlsein auf. Zwischen all den wertvollen Klassikern wirkt er wie das Schnäppchen vom Wühltisch. Kein Wunder, könnte man sich zu dem momentanen Marktpreis des daneben parkierten Jaguar XK 120 etwa 30 Exemplare des Lancia in die Halle stellen. Das wäre vermutlich der gesamte Bestand an fahrbaren HPEs im deutschsprachigen Raum.


Doch die Blicke der Besucher sind interessiert und wir werden freundlich aufgenommen. Jetzt kommt sowas wie Besitzerstolz auf. Zufrieden wenden wir uns den anderen Schmuckstücken zu, ein Panoptikum der Schweizer Oldie-Szene. Zum einen steht dort das wahrscheinlich wertvollste Fahrzeug am Platz, ein Ferrari 250 GT «Competizione». Zwei ältere Herren neben mir bewundern die «Bella Macchina» und raunen sich ehrfürchtig etwas zu, das klingt wie «choschtet 12 bis 15 Million Stutz». Upps! Vielleicht ist es aber auch nur eine Replika, sicher sogar. Man muss aufpassen; gerade bei den ganz Teuren! Aber eine Million dürfte sie allenthalben bringen. Umso mehr muss man anerkennen, dass der Besitzer diese kostbare Pretiose nicht zu einer Immobilie verkommen lässt, sondern sie auch bewegt. Fahr- anstatt Stehzeug!
Die meisten Kilometer auf dem Gelände legt allerdings ausgerechnet das älteste Fahrzeug zurück. Ein De Dion-Bouton von 1899 dreht immer wieder seine Runden auf der trockengelegten Eisbahn. Der Besitzer nimmt interessierte Besucher auf eine Runde mit. Die Besatzung hat die grösste Freude und der Enkelsohn fungiert schiebenderweise als Rückwärtsgang. So macht Automobilhistorie selbst dem grössten Automuffel Spass.

Action und Auktion
Bei dieser Dolder Classics ging der Spass schon am Samstag los, sofern man sich einen Klassiker zulegen wollte und auch entsprechend flüssig war. Die Auktionsspezialisten von der Oldtimergalerie riefen zur CLASSIC CAR AUCTION. Die Männer rund um Chef Reinhard Schmidlin hatten wieder ein buntes Portfolio an klassischen Fahrzeugen zusammengetragen. Für jeden Geschmack etwas. Besonders aufgefallen ist ein fast aseptisch restaurierter Porsche 911 von 1965. Frühe Elfer gehen preislich momentan durch die Decke und auch der elfenbeinfarbige Heckmotorsportler brachte nach einer Bieterschlacht sagenhafte 250 000 Franken. Immer noch zu wenig für den Anbieter. Nicht verkauft! Auf der anderen Seite waren aber auch ein paar moderne Supercars im Angebot. Wem der Sinn mehr nach einem getunten Lamborghini Aventador steht, wurde auch fündig. Mit dem macht man allerdings auf der kommenden Dolder Classics eine weniger gute Figur. Wie eben im Neon-Hardtechno-Outfit in der alten Oper.

Mehr Info unter www.dolderclassics.ch

Am 28. November steigt die nächste Auktion «Klassische Automobile & Motorräder», in Toffen www.oldtimergalerie.ch

 
Fotos: Fabian Bur, Beat Lüthy