ABARTH!!! Dieser Name steht schon seit 1949 für kleine, aber heisse Sportwagen, aggressiv röhrende Auspuffanlagen und Rennsiege auf der ganzen Welt. Der 190 PS starke Abarth 695 Biposto ist der heisseste strassenzugelassene Mini-Racer im aktuellen Abarth-Portfolio. Klein und sexy, aber wehe wenn er losgelassen!

Klein und bei Bedarf gemein
Was für eine Erfolgsgeschichte. Mit dem aktuellen Fiat 500 schwingt sich Fiat im Kleinwagensegment wieder zu alter Grösse auf. Alle lieben den kleinen Retro-Flitzer, der sich optisch, aber nicht technisch am alten 500 von 1957 orientiert. Seit 2007 flitzen auch wieder heisse Abarth-Versionen um die Ecken und ärgern oft die Piloten von grossen und potenten Sportwagen. Deutlich wird das, wenn man sich beim 695 Biposto das Leistungsgewicht ansieht. 190 Pferde müssen gerade mal 997 Kilo beschleunigen. Das ergibt ein Leistungsgewicht von 5,2 Kilogramm pro PS. Ein aktueller Porsche Boxster kann das kaum besser. So beschleunigt der quirlige Italiener bis Tempo 100 in nur 5,9 Sekunden und schafft Tempo 230. Wenn man sich traut.

Aber auch in der heimischen Garage feiert der Biposto ein Fest für die Sinne. Feinste Rennsport-Accessoires lassen das Herz eines jeden Rennsport-Fans höher schlagen. Öffnet man die Tür, fallen einem sofort die Leichtbau-Türverkleidungen und die Schalensitze auf, auf Wunsch sogar mit richtigen Vierpunkt-Gurten von Sabelt bestückt. Für das Leistungsgewicht entfallen die hinteren Sitze, logisch Biposto! Deren Platz nimmt eine Domstrebe garniert mit einem Fangnetzt ein, die sich nach hinten abstützt und zur Steifigkeit der Karosse beiträgt. Die Pedalerie und der Boden sind mit geriffelten Aluplatten ausgelegt. Teppich ist nur was für Schattenparker. So ist der Biposto-Treiber bestens gerüstet für ein paar schnelle Runden auf dem Track oder viel Spass auf der Strasse.

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Klein aber hurtig
Spätestens beim Fahren merkt man, in Bipostos Brust wohnen zwei Seelen. Die eine ist die von einem ganz normalen, lieben und friedlichen Kleinwagen, der vielleicht etwas zu straff gefedert ist. Denn der verkappte Racer lässt sich auch ganz simpel im Stadtverkehr bewegen, etwa zum täglichen Einkauf oder zum Zahnarzt, weil wieder eine Plombe fliegen gegangen ist. Sie wissen schon: straff gefedert.

Die andere, die böse Seele weckt man am besten, wenn man alleine unterwegs ist, auf einer einsamen Landstrasse. Gibt man Gas, brüllt der 695 durch die zweiflutige Akrapovic-auspuffanlage wie ein wildes Tier und stürmt mit einer Vehemenz nach vorne, dass man mit dem Schalten kaum nachkommt. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Abarth, einstig der grösste Hersteller von Tuning-Auspuffanlagen, beim Biposto auf einen Zulieferer zurückgreift. Einen frontgetriebenen Wagen mit viel Leistung wirklich schnell zu fahren, erfordert schon einen Könner am Volant. Gibt man zu viel Gas, dann verpufft die Leistung zwischen Reifen und Asphalt. Kommen jetzt noch enge Kurven dazu, ist der Abarth-Bändiger schwer am Arbeiten. Das serienmässige Sperrdifferential versucht wenigstens noch die Leistung in Vortrieb umzusetzen. Bei zu viel Gaseinsatz scharrt das wilde Abarth-Pony jedoch hilflos mit den Hufen. Trotzdem erweist sich der mattgraue Hüpfer auf engen Strecken als fast unschlagbar. Da kann jeder Porsche, M3 oder TT gerne antreten. Schon alleine deshalb, weil man mit dem nur knapp eine Tonne leichten Zweisitzer die Bremspunkte viel später setzen kann. Auch ein Verdienst der Pizzateller grossen Scheibenbremsanlage von Brembo.

Abarths waren schon immer klein

Abarth 1500 Biposto695 SSAbarth 3000 V8
Biposto bedeutet «zweisitzig» und so betitelte Abarth-Modelle gab es schon früher. Der Abarth 1500 Biposto von 1952, ein Experimental-Coupé, entstand als Einzelstück. Der Abarth 1000 Biposto Corsa von 1971 dagegen ist ein kompromisslos aufgebauter Rennsportwagen. Der nur ein Liter grosse Vierzylinder leistet 120 PS. Auch den Vorgänger des aktuellen 500 nimmt sich Carlo Abarth zur Brust. Allzu viel Leistung ist aus dem kleinen Zweizylinder-Motörli allerdings nicht rauszuholen.
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Die stärkste Version, der 695 SS, leistet immerhin 38 PS und damit mehr als doppelt so viel wie das Ausgangsprodukt. Fiat bezeichnet den aktuellen 695 Biposto als «The fastest Abarth ever». Ob das stimmt? Wir haben mal in der Historienkiste gegraben.
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Der V8 des Abarth 3000 V8, einem Rennsport-Zweisitzer von 1970, leistet satte 350 PS und erreicht eine Spitze von 300. Einigen wir uns darauf, dass der 695 Biposto der schnellste strassenzugelassene Abarth aller Zeiten ist.
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Carlo Abarth – PS-Magier der kleinen Motoren
Firmengründer und -patriarch Carlo Abarth war schon immer ein Mann der Extreme. 1908 als Karl Abarth in Wien geboren, schlägt er schnell eine Karriere im Motorsport ein. Auf einem Motorrad mit Beiwagen fordert er 1933 auf einer 1372 Kilometer langen Strecke den Orient-Express heraus und gewinnt. Nach dem Krieg geht der junge Abarth nach Italien und nennt sich fortan Carlo. Die 1949 gegründete Firma ABARTH & Co. macht sich schnell einen Namen mit Tuningteilen und Auspuffanlagen. Im Zeichen des Skorpions, dem Tierkreiszeichen von Carlo, räumen Abarth-Rennwagen in den kleinen Hubraumklassen bis 1300 Kubik gnadenlos ab. Teilweise sind es bis zu 800 Renn- und Klassensiege – jährlich!!! Meistens basieren die Renn- und Tourenwagen auf Fiat-Modellen mit Heckmotor und -antrieb, wie Fiat 600 und 850. Carlo liebt seine kleinen roten Skorpione über alles. Legendär und gefürchtet sind auch seine Wutausbrüche an der Strecke, wenn ein Klassensieg knapp verfehlt wird. Als ihm einmal der spätere Weltmeister Jochen Rindt einen schwer beschädigten Abarth mit den Worten «Da habts euren Krempel» abstellt, entscheidet der diktatorische Chef: «Der fährt nie wieder für mich.» Anfang der Siebzigerjahre läuft das Geschäft mit den Tuningteilen schlechter. Carlo muss seine Firma 1971 an Fiat verkaufen. Es bricht ihm das Herz. Zurückgezogen stirbt er 1979 in seiner Geburtsstadt Wien. Dank Fiat jedoch leben aber die kleinen Sportwagen mit dem Skorpion weiter.

Wir danken der Schloss-Garage Winterthur und dem Verband Auto Sport Schweiz für die Unterstützung.

 

Technische Daten Abarth 695 Biposto
Motor 4 Zylinder
Hubraum 1368 ccm
Leistung 190 PS bei 5500 U/min
Fahrwerk 5-Gang manuell
Antrieb Front
Räder 7,5×18 Zoll
Reifen 215/35R18
Leergewicht 997 kg
0 bis 100 km/h 5,9 s
Spitze 230 km/h
Verbrauch 6,5 l pro 100 km
Grundpreis 49 900 Franken

Fazit
Klein, leicht, gemein und potent. Der Geist des Carlo Abarth ist im 695 Biposto immer noch zu spüren. Puristen vermerken aber, dass bei einem klassischen Abarth der Motor immer hinter dem Fahrer die Musik macht. Trotzdem ist der Biposto ein Fun-Racer erster Güte. Beim Preis spielt der 695 Biposto allerdings durchaus bei den Grossen mit.

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Fotos: Marc Berger, Remo Neuhaus, Mitch Haussener, zvg