Es waren einmal zwei Brüder aus dem idyllischen Waterboro in den USA. Nennen wir sie der Einfachheit halber Howe und Howe. Die beiden träumten in ihrer kleinen Werkstatt von einem Panzer mit den Fahrleistungen eines Sportwagens. Ein Vehikel, das beschleunigt wie ein Porsche, das aber trotzdem nicht gleich eingeht, wenn man mal Rambo-mässig durch die Wälder holzt. Die beiden Brüder waren aber keine Träumer, sondern talentierte Konstrukteure. Und so entstand wie im Märchen der Ripsaw EV2.

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Bummm, und schon wandelt sich das Märchen zum Horror-Movie. Aber zunächst zu den harten Fakten. Nicht, was jeder gleich denkt. Ui geil, den stelle ich mir neben den Micra in den Vorgarten. Rund 200 000 Dollar kostet das Kassengestell Ripsaw EV2 ohne Sonderausstattung wie Terroristenscanner, Bordblutbank und Schleuderfangnetz. Dafür räubert der Sports-Tank, so die englische Bezeichnung, mittels einem 600 PS starken V8-Diesel mit einer Vehemenz durch das Gelände, dass einem Angst und Bange werden kann. Dem Zuschauer UND dem Piloten am Kommandositz. Eine Strassenzulassung in der Schweiz dürfte selbst für Agenten mit der Lizenz zum Töten unmöglich sein. Aber wer ein genügend grosses Grundstück zur Verfügung hat, der kann ja dort den motorisierten Berserker spielen. Aber vielleicht pfeift der Ripsaw-Besitzer auf eine ordentliche Zulassung? Mit dem Ungetüm tun sich ganz neue Möglichkeiten auf. Warum einen Stau nicht überfahren, statt zu umfahren? Kommt einem der zunächst freundliche Verkehrshüter blöd, verlässt man eben die Strasse. Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist die Gerade, egal, was dazwischen steht.

Die beiden Howe-Brüder haben ein wirkliches Highlight auf die Räder, äh Verzeihung, Ketten gestellt. Zugunsten des Fahrverhaltens liegt der Schwerpunkt sehr tief und für ein kettengetriebenes Fahrzeug ist der Ripsaw mit etwa 3600 Kilogramm sehr leicht. Der Federweg beträgt ganze 30 Zentimeter und bügelt über alle Unebenheiten wie Baumstämme, Gartenzäune oder Polizeiwagen hinweg. Upps, war da was? Ja, du bist gerade über einen Range Rover gefahren.

Die wheels!-Redaktion wartet inständigst auf den ersten Schweizer Käufer. Wir versprechen, auch bei der Testfahrt ganz brav zu sein und nur ein bisschen Kettensägenmassaker auf Rädern zu spielen. Und noch ein Nachtrag: Das iranische Militär hat den EV2 schon kopiert, nachgebaut und dabei laut Howe und Howe internationale Patente der Firma ignoriert. Wie die Iraner wohl an die Pläne gekommen sind? So wandelt sich das Horror-Movie zum Real-Life-Agententhriller!

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Fotos: Howe & Howe Technologies, Inc.